22.01.2020, 14:40 Uhr

Berlin (AFP) Lebenslange Haft für zwei Männer nach tödlichem Kopfschuss auf Frau in Berlin

Justitia. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Arne Dedert (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Arne Dedert)Justitia. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Arne Dedert (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Arne Dedert)

Männer töteten 25-Jährige aus Mordlust vor Campingplatz

Sie töteten, um einen Menschen sterben zu sehen: Nach einem tödlichen Kopfschusses auf eine junge Frau in Berlin-Neukölln sind zwei Männer zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt worden. Die 30 und 40 Jahre alten Angeklagten hatten im Dezember 2018 eine halbautomatische Waffe gestohlen und mit dieser aus reiner Mordlust die 25-jährige Freundin des jüngeren Angeklagten an einem Campingplatz getötet, wie sich das Berliner Landgericht in seinem Urteil am Mittwoch überzeugt zeigte.

Die Männer hätten töten wollen, "um zu sehen, wie das ist, wenn jemand stirbt", sagte der Vorsitzende Richter Gregor Herb. Demnach hatte der 40-Jährige bei der Polizei ausgesagt, es sei darum gegangen zu sehen, "wie es ist, wenn jemand fallen tut". Einen anderen Anlass für den Mord konnten die Richter nicht erkennen.

Demnach stahlen die Männer die Waffe aus dem Wohnwagen einer Bekannten und fassten eigentlich den Plan, den Vater des 40-Jährigen damit zu töten. Dieser sei aber "nicht greifbar" gewesen, wogegen die Freundin des 30-jährigen Angeklagten vor dem Campingplatz nichtsahnend auf die beiden Männer gewartet habe. Der 30-Jährige habe ihr zunächst in den Arm geschossen - als dann der Lauf klemmte, versuchte er demnach achtmal, den zweiten Schuss abzugeben.

Der andere Angeklagte reparierte die Waffe daraufhin und gab sie zurück. Der Partner der Frau gab dann den tödlichen Schuss in den Hinterkopf ab. Mit größter Wahrscheinlichkeit habe die junge Frau nicht begriffen, was ihr geschah, sagte der Richter. Die Männer bedeckten ihren Kopf nach der Tat mit einer Kapuze und verließen den Tatort, wie es hieß. Später erlitt die Frau den Hirntod.

Die Vergangenheit der Männer sei geprägt gewesen von Drogen, Alkohol und Obdachlosigkeit, wie der Richter ausführte. Der 30-Jährige und das Opfer waren demnach zum Tatzeitpunkt erst seit kurzem zusammen.

Für beide Männer ordnete Richter Herb zudem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Mit der Entscheidung zur lebenslangen Haftstrafe folgten die Richter dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger der Männer hatten neun beziehungsweise elf Jahre Haft gefordert.

Die Richter erkannten keine strafmildernden Umstände an: Die beiden Männer hätten trotz ihres Alkoholkonsums an dem Tag keine verminderte Steuerungsfähigkeit gehabt, sagte der Vorsitzende Richter. Mit ihren Geständnissen hätten sie außerdem zwar zur Aufklärung beigetragen - solche Hilfe könne, müsse aber nicht zu einer geringeren Strafe führen. In diesem Fall entschieden sich die Richter dagegen.

Das Urteil kann noch angefochten werden. Im ersten Anlauf war der Prozess gegen die Männer aus formalen Gründen ausgesetzt worden, der zweite Anlauf vor dem Berliner Landgericht begann im Juli 2019.


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