20.01.2020, 14:08 Uhr

Berlin (AFP) Bundespolizei senkt zur Besetzung neuer Stellen offenbar Bewerberanforderungen

Abzeichen der Bundespolizei. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann)Abzeichen der Bundespolizei. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Holger Hollemann)

Kein Weitsprung und keine Liegestützen im Fitnesstest mehr

Um neu geschaffene Stellen besetzen zu können, hat die Bundespolizei einem Pressebericht zufolge ihre Anforderungen an Bewerber gesenkt. Wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppen in ihren Montagsausgaben berichteten, hob die Bundespolizei bei den Deutschtests für den mittleren Dienst die Fehlertoleranz im Diktat an. Auch seien beim Fitnesstest Weitsprung und Liegestützen durch einen Pendellauf ersetzt worden.

Die Bundespolizei stellte dazu klar, sie habe ihre Anforderungen an Anwärter ausdrücklich nicht abgesenkt. Bei Anwärtern handle es sich um als Beamte auf Widerruf eingestellte Mitarbeiter, die zuvor das Eignungsverfahren erfolgreich durchlaufen hätten. Bei Bewerbern - also Menschen, die sich dem Eignungsverfahren der Bundespolizei stellten - seien die Anforderungen im Rahmen des Auswahlverfahrens zuletzt "angepasst" worden.

Die Voraussetzungen für eine Bewerbung zur Bundespolizei würden regelmäßig evaluiert und gegebenenfalls angepasst, erklärte das Bundespolizeipräsidium in Potsdam. Ziel sei, einen möglichst großen aber auch geeigneten Bewerberkreis anzusprechen. Die Eignung der Bewerberinnen und Bewerber werde im Auswahlverfahren im Einzelnen überprüft.

Angeschafft worden sei im Zuge der jüngsten Anpassung die generelle körperliche Mindest- und Maximalgröße für die Einstellung. Bei den Sprachfertigkeiten von Bewerbern wurde demnach die Fehlertoleranz im Diktat für das Auswahlverfahren mittlerer Dienst "geringfügig angehoben" und zum Beispiel das Wort "Chrysantheme" herausgenommen, um einem größeren Bewerberkreis auch in den nachfolgenden Testbestandteilen die weitere Teilnahme zu ermöglichen.

Auch der Sporttest wurde laut Bundespolizei überarbeitet: Mit dem Standweitsprung und den Liegestützen seien zwei Elemente durch einen Pendellauf ersetzt worden, "da hier Bewegungsschnelligkeit, die Stütz- und Rumpfkraft sowie Konzentrations- und Koordinationsfähigkeiten ein zeitgemäßes Bild der physischen Leistungsfähigkeit, insbesondere von Bewerberinnen, darstellen. Ein Zwölf-Minuten-Lauf sowie ein Koordinationstest seien weiterhin Bestandteil des sportlichen Testparts.

Die Bundespolizei bestätigte zugleich Angaben der Funke-Blätter, wonach im laufenden Jahr 853 Beamte in den Ruhestand gehen. Zugleich kämen bei der Bundespolizei im Haushaltsjahr 2020 insgesamt 2150 Planstellen hinzu. Die Zahl der Anwärter, die 2020 noch in der Ausbildung sind, gab die Bundespolizei mit Stichtag 1. Januar mit 7420 an.

Wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine schriftliche Frage des FDP-Abgeordneten Konstantin Kuhle hervorgeht, bestanden in den Jahren 2009 und 2015 alle Anwärter für den gehobenen Dienst die Prüfungen. Von den 440 Anwärtern aus dem Jahr 2019 bestanden bislang nur zwölf die Prüfungen nicht, wie der Antwort zu entnehmen ist, über die zuerst die Funke-Zeitungen berichtet hatten und die AFP am Montag vorlag. Bei 26 Anwärtern aus dem vergangenen Jahr war die Laufbahnprüfung noch noch nicht abgeschlossen.

Kuhle erklärte dazu, die massiven Stellenaufwüchse bei der Bundespolizei stellten die Behörde vor große Herausforderungen. "Dabei darf die Qualität der Ausbildung nicht leiden - deshalb ist es besonders wichtig, die Bundespolizeiakademie personell und finanziell ausreichend auszustatten."

Außerdem müssten Pensionierungen durch Neueinstellungen kompensiert werden, forderte der FDP-Innenpolitiker. Allein im vergangenen Jahr seien etwa 470 Bundespolizisten wegen Erreichens der Altersgrenze in den Ruhestand getreten. "Die Bundespolizei muss die Ausbildung von Anwärterinnen und Anwärtern daher weiter ausbauen, wenn auch neu geschaffenen Stellen zeitnah besetzt werden sollen."

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, sagte den Funke-Blättern, zum Ausgleich von Defiziten bedürfe es "veränderter Ausbildungs- und Studienpläne, mit mehr Praxisanteilen zum Beispiel durch Einsatztraining". Radek sprach von einer "Anpassung an die gesellschaftlichen Veränderungen junger Menschen in Bezug auf die geistigen und körperlichen Voraussetzungen für den Polizeiberuf".


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