15.01.2020, 14:37 Uhr

Köln (AFP) Missbrauchsfall Bergisch Gladbach weitet sich auf zwölf Bundesländer aus

Aktenordner zum Fall Lügde im Gerichtssaal. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Bernd Thissen (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Bernd Thissen)Aktenordner zum Fall Lügde im Gerichtssaal. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Bernd Thissen (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Bernd Thissen)

Staatsanwaltschaft sieht keine strafrechtlich relevante Verbindung zu Fall Lügde

Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach hat sich erneut massiv ausgeweitet - seine Dimensionen sind auch nach monatelangen Ermittlungen gegen das Pädophilennetzwerk nicht absehbar. Aktuell gibt es bereits Verdachtsfälle in zwölf der 16 Bundesländer, wie Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch mitteilte. Zudem wurden mögliche Querverbindungen zum Fall Lügde bekannt, die aber nach Ermittlerangaben derzeit nicht auf strafrechtlich relevante Zusammenhänge schließen lassen.

Reul zufolge sind in dem Bergisch Gladbacher Fall bundesweit derzeit 36 Opfer und 51 mutmaßliche Täter identifiziert. Es werde "weiter mit Hochdruck ermittelt". "Wir führen das Dunkelfeld ins Hellfeld", sagte der CDU-Politiker in Düsseldorf. "Wir werden dafür sorgen, dass diese schrecklichen Taten endlich ein Ende haben und viele Kinder gerettet werden."

Der Fall Bergisch Gladbach war Ende Oktober bekannt geworden. Ermittler waren damals in der Stadt unweit von Köln bei einem Verdächtigen unter anderem auf große Mengen kinderpornografischer Dateien gestoßen. Die Ermittlungen drehen sich seither um ein kriminelles Netzwerk, das sich offenbar über ganz Deutschland erstreckt. Zu den Tatverdächtigen zählen auch Familienväter. Mehrere mutmaßliche Täter sitzen in Untersuchungshaft.

Über die möglichen Querverbindungen zwischen den Fällen Bergisch Gladbach und Lügde berichteten der Westdeutsche Rundfunk, der Sender RTL und der "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf Ermittlerkreise. Demnach sollen Angehörige des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach den Campingplatz in Lügde genutzt haben.

Der Großvater des Tatverdächtigen aus Bergisch Gladbach habe in den 80er und 90er Jahren auf dem Campingplatz in Lügde einen Stellplatz gepachtet, hieß es. Auch habe ein Cousin des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach einen Campingwagen in Lügde genutzt und diesen dann einem der Haupttäter von Lügde, Andreas V., verkauft.

Die im Fall Bergisch Gladbach ermittelnde Staatsanwaltschaft Köln erklärte jedoch auf AFP-Anfrage, sie habe derzeit keine Erkenntnisse über strafrechtlich relevante Verbindungen zwischen den beiden Missbrauchskomplexen. Im Zusammenhang mit den Ermittlungsverfahren im Tatkomplex Bergisch Gladbach gebe es "keine Erkenntnisse, dass Täter oder andere Beteiligte auch an den Taten von Lügde in irgendeiner Weise beteiligt gewesen sein könnten", sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn.

Die Berichte über die womöglich zufälligen Verbindungen zwischen beiden Fällen wollte Willuhn weder bestätigen noch dementieren. Reul sagte dazu in Düsseldorf, die Querverbindungen seien nach aktuellem Ermittlungsstand verwandtschaftlicher Natur. Dass es diese verwandtschaftlichen Beziehungen gebe, könne nicht bestritten werden. Es könne sich aber auch um Zufälle handeln.

Die Missbrauchsserie von Lügde im Kreis Lippe war vor knapp einem Jahr bekannt geworden. Auf dem Campingplatz von Lügde waren zahlreiche Kinder jahrelang missbraucht worden. Die meisten Opfer waren zwischen drei und 14 Jahre alt. Wegen der über einen langen Zeitraum unentdeckt gebliebenen Missbrauchsserie und wegen Pannen bei den Ermittlungen wurden Jugendämter und Polizei scharf kritisiert.

Als Haupttäter von Lügde wurden Andreas V. und sein Mitangeklagter Mario S. im vergangenen September vom Landgericht Detmold zu 13 und zwölf Jahren Haft verurteilt. Zudem ordnete das Gericht bei beiden die anschließende Sicherungsverwahrung an.


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