15.01.2020, 13:10 Uhr

Berlin (AFP) Schwächere Autoproduktion drückt Deutschlands Wirtschaftswachstum

Produktion von VW-Elektroauto ID.3 in Zwickau. Quelle: AFP/RONNY HARTMANN (Foto: AFP/RONNY HARTMANN)Produktion von VW-Elektroauto ID.3 in Zwickau. Quelle: AFP/RONNY HARTMANN (Foto: AFP/RONNY HARTMANN)

Anstieg des Bruttoinlandsproduktes im vergangenen Jahr nur bei 0,6 Prozent

Deutschlands Wirtschaft ist auch im vergangenen Jahr weiter gewachsen und hat der Bundesrepublik damit die längste Wachstumsphase seit der Wiedervereinigung beschert. Mit einem Plus von 0,6 Prozent fiel der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) 2019 aber deutlich schwächer aus als in den Vorjahren, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Grund dafür ist vor allem die gesunkene Industrieproduktion insbesondere bei den Autobauern, die sich derzeit mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel befinden.

Im Jahr 2018 hatte das BIP-Wachstum noch bei 1,5 Prozent gelegen, 2017 gar bei 2,5 Prozent. Auch verglichen mit dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre von 1,3 Prozent wuchs die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr nur schwach, über die Sommermonate war sie sogar nur knapp einer Rezession entgangen. Für das vierte Quartal 2019 gibt es den Statistikern zufolge nun aber Anzeichen einer leichten Erholung, detaillierte Ergebnisse dazu sollen Mitte Februar veröffentlicht werden.

Auftrieb erhält die deutsche Wirtschaft vor allem vom Konsum: Die privaten Ausgaben lagen hier 2019 um 1,6 Prozent höher als im Vorjahr, die Konsumausgaben des Staates stiegen gar um 2,5 Prozent. Die Wachstumsraten lagen dabei jeweils über denen der beiden Jahre zuvor. Gestützt wird die deutsche Wirtschaft zudem durch kräftige Zuwächse im Baugewerbe, das um 4,0 Prozent zulegte.

Die Wirtschaftsleistung im produzierenden Gewerbe ohne den Bau - verantwortlich für gut ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung - ging hingegen mit einem Minus von 3,6 Prozent deutlich zurück. "Insbesondere die schwache Produktion in der Automobilindustrie, welche der größte Teilbereich der Industrie ist, trug zu diesem Rückgang bei", erklärte Albert Braakmann vom Statistischen Bundesamt.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte bereits Anfang Januar mitgeteilt, dass die Autobauer in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich weniger Fahrzeuge produzierten. Aufgrund der international schwächeren Nachfrage seien Produktion und Export zurückgegangen. Knapp 4,7 Millionen Pkw im Gesamtjahr 2019 bedeuten demnach ein Minus von neun Prozent und den niedrigsten Stand seit 1997. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei den Exporten ins Ausland aus: Knapp 3,5 Millionen Autos, die 2019 ins Ausland exportiert wurden, bedeuten einen Rückgang um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zugleich hatten die deutschen Autobauer trotz Handelskonflikten und der internationalen Konjunktureintrübung zuletzt neue Rekordabsätze vermeldet. Mehr verkaufte Autos bedeuten aber nicht automatisch, dass diese auch hierzulande produziert wurden.

Nach Angaben des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Martin Wansleben, machen den deutschen Unternehmen "zahlreiche Handelskonflikte, weltweit weniger Investitionen und eine gedrosselte Weltkonjunktur" zu schaffen. Dazu würden "immer mehr strukturelle Herausforderungen die Konjunktur und gerade die schwächelnde Industrie" belasten. Wansleben nannte hier Digitalisierung, Mobilität der Zukunft und Klimapolitik.

Das Wirtschaftswachstum 2019 sei "ein Warnsignal", erklärte Wansleben. Auch im laufenden Jahr werde sich die Konjunktur "seitwärts bewegen" - das Wachstum also schwach bleiben.


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