12.01.2020, 10:25 Uhr

Teheran (AFP) Britischer Botschafter dementiert Teilnahme an Protesten in Teheran

Proteste gegen Teherans Umgang mit Flugzeugabschuss
. Quelle: AFP/Atta KENARE (Foto: AFP/Atta KENARE)Proteste gegen Teherans Umgang mit Flugzeugabschuss . Quelle: AFP/Atta KENARE (Foto: AFP/Atta KENARE)

Auch USA und EU kritisieren Festnahme des Diplomaten

Nach seiner kurzzeitigen Festnahme in Teheran hat der britische Botschafter Rob Macaire einen Bericht über seine Teilnahme an Protestkundgebungen gegen die iranische Regierung zurückgewiesen. Er habe sich an "keinen Demonstrationen" beteiligt, erklärte Macaire am Sonntag auf Twitter. Vielmehr sei er zu einer "Veranstaltung gegangen, die als Trauerwache für die Opfer der Tragödie von Flug PS752 angekündigt war", fügte er hinzu. Seine Festnahme bezeichnete er als illegal.

Nach dem Bekenntnis des Iran zum versehentlichen Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs hatte es in Teheran am Samstagabend Proteste gegen die Regierung gegeben. Mehrere hundert Menschen versammelten sich zunächst an der Amir-Kabir-Universität, um der 176 Toten zu gedenken, doch schlug die Kundgebung rasch in heftige Kritik an der Regierung um: Die Demonstranten bezeichneten sie als "Lügner" und forderten die Verantwortlichen für den Abschuss und die tagelange Leugnung zum Rücktritt auf.

Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Mehr wurde der britische Botschafter wegen der "Beteiligung an der Anstiftung" der Proteste festgenommen. Macaire erklärte hingegen, es sei für einen Diplomaten völlig "üblich, den Opfern seine letzte Ehre zu erweisen", zumal auch britische Staatsangehörige unter ihnen waren.

Er sei nach rund fünf Minuten wieder gegangen, als erste regierungsfeindliche Slogans ertönt seien, erklärte er auf Englisch und Farsi. Eine halbe Stunde später sei er festgenommen worden. Macaire fügte hinzu, die Festnahme von Diplomaten sei "illegal, in allen Ländern".

Der britische Außenminister Dominic Raab hatte zuvor bereits von einem "eklatanten Verstoß gegen internationales Recht" gesprochen. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums warf Teheran vor, das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen zu verletzten, und forderte eine Entschuldigung gegenüber London. Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell mahnte auf Twitter die "umfassende Einhaltung der Wiener Konvention" an. Die iranischen Behörden machten zunächst keine Angaben zu der Festnahme des britischen Botschafters.


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