09.01.2020, 23:34 Uhr

Teheran (AFP) Iran verlangt von Kanada Übergabe von Informationen zu Flugzeugabsturz

Absturzstelle im Iran. Quelle: IRNA/AFP/Akbar TAVAKOLI (Foto: IRNA/AFP/Akbar TAVAKOLI)Absturzstelle im Iran. Quelle: IRNA/AFP/Akbar TAVAKOLI (Foto: IRNA/AFP/Akbar TAVAKOLI)

Trudeau: Maschine womöglich irrtümlich von iranischer Rakete abgeschossen

Der Iran hat von Kanada die Übergabe von Geheimdienstformationen verlangt, wonach der Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs nahe Teheran durch den Einschlag einer iranischen Rakete verursacht worden sein könnte. Die kanadische Regierung solle diese Informationen mit einer vom Iran eingesetzten Untersuchungskommission "teilen", erklärte am Donnerstag das Außenministerium in Teheran. Es bezeichnete den von verschiedenen Seiten geäußerten Verdacht, Raketenbeschuss könnte den Absturz verursacht haben, als "zweifelhafte Szenarien".

Die iranischen Behörden luden nach Angaben des Ministeriums den US-Flugzeughersteller Boeing ein, sich an der iranischen Untersuchung zu beteiligen. Der Iran sei zudem bereit, Behörden aus allen Ländern, aus denen Staatsbürger bei dem Absturz ums Leben kamen, an der Untersuchung teilnehmen zu lassen.

Nach Angaben des iranischen Regierungssprechers Ali Rabii wurde zudem Frankreich zur Teilnahme an der Untersuchung eingeladen, da das Triebwerk der Maschine von dem französischen Unternehmen Safran gebaut wurde. Safran stellt die Triebwerke für die Boeing 737 allerdings in Kooperation mit dem US-Konzern General Electric her.

Bei dem Absturz am Mittwochmorgen waren alle Insassen der Boeing 737 ums Leben gekommen. An Bord waren unter anderen 63 Kanadier und elf Ukrainer sowie auch Afghanen, Briten und Schweden.

Trudeau sagte am Donnerstag, "verschiedene" Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass die Maschine "von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde". Dies könnte nach seinen Worten "unabsichtlich" geschehen sein. Der kanadische Premier verwies auf "Informationen aus verschiedenen Quellen, auch von unseren Verbündeten und unseren eigenen Geheimdiensten".

Der Verdacht eines Raketeneinschlags wurde vom britischen Premierminister Boris Johnson gestützt. Er erklärte, es gebe zunehmende Indizien dafür, dass eine iranische Rakete den Absturz verursacht haben könne. Der mutmaßliche Raketenbeschuss des Flugzeugs "könnte wohl unabsichtlich gewesen sein".

US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor vager geäußert. Er sagte, er habe einen "Verdacht": "Jemand auf der anderen Seite könnte einen Fehler gemacht haben." Trump sagte, er halte ein technisches Problem am Flugzeug als Absturzursache für ausgeschlossen.

Die US-Fernsehsender CBS und CNN berichteten unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsvertreter, Satelliten- und Radardaten deuteten darauf hin, dass das iranische Luftabwehrsystem irrtümlich das Flugzeug abgeschossen haben könnte. CBS meldete, US-Satelliten hätten kurz vor dem Absturz der Maschine den Start von zwei Boden-Luft-Raketen beobachtet.

Das iranische Verkehrsministerium erklärte dagegen: "Diese Geschichte eines Raketeneinschlags im Flugzeug kann gar nicht korrekt sein." Zum Zeitpunkt des Absturzes seien "mehrere inländische und internationale Flüge auf der gleichen Höhe von 8000 Fuß" im iranischen Luftraum unterwegs gewesen.


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