09.01.2020, 21:12 Uhr

Teheran (AFP) Anzeichen für versehentlichen Flugzeug-Abschuss im Iran verdichten sich

Absturzstelle im Iran. Quelle: IRNA/AFP/Akbar TAVAKOLI (Foto: IRNA/AFP/Akbar TAVAKOLI)Absturzstelle im Iran. Quelle: IRNA/AFP/Akbar TAVAKOLI (Foto: IRNA/AFP/Akbar TAVAKOLI)

Trump: "Jemand auf der anderen Seite könnte einen Fehler gemacht haben"

Nach dem Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs in der Nähe von Teheran haben sich die Anzeichen für einen versehentlichen Abschuss der Maschine durch den Iran verdichtet. Nach Angaben des kanadischen Regierungschefs Justin Trudeau deuteten "verschiedene" Geheimdienstinformationen darauf hin, dass die Maschine "von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde". US-Präsident Donald Trump sagte, er habe einen "Verdacht": "Jemand auf der anderen Seite könnte einen Fehler gemacht haben." Dagegen wies die Regierung in Teheran Spekulationen über einen Abschuss als haltlos zurück.

In mehreren US-Medien wurde berichtet, dass US-Regierungsvertreter vermuten, die abgestürzte ukrainische Passagiermaschine könnte versehentlich vom Iran abgeschossen worden sein. Auch Trudeau betonte, dass der Abschuss "unabsichtlich" geschehen sein könnte. Er wies auf "Informationen aus verschiedenen Quellen, auch von unseren Verbündeten und unseren eigenen Geheimdiensten" hin.

Die Boeing 737 der privaten ukrainischen Fluggesellschaft UIA war am frühen Mittwochmorgen auf dem Weg nach Kiew, als sie zwei Minuten nach dem Start in Teheran plötzlich von den Radarschirmen verschwand und nahe der iranischen Hauptstadt abstürzte. Keiner der 176 Insassen überlebte das Unglück. An Bord waren unter anderem 82 Iraner, 63 Kanadier und elf Ukrainer - neun davon Besatzungsmitglieder.

Von Anfang an war spekuliert worden, dass ein Abschuss zum Absturz des Flugzeugs geführt haben könnte. Die iranischen Behörden berichteten hingegen frühzeitig über "technische Schwierigkeiten" der Maschine. Kurz vor dem Flugzeugunglück hatte der Iran mehrere Raketenangriffe auf zwei von den US-Streitkräften genutzte Militärstützpunkte im Irak geflogen.

Trump betonte am Donnerstag in Washington, dass er ein technisches Problem am Flugzeug als Unglücksursache für ausgeschlossen halte. Unter anderem die Fernsehsender CBS und CNN berichteten unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsvertreter, das Flugzeug könnte irrtümlich vom iranischen Luftabwehrsystem abgeschossen worden sein. Darauf würden Satelliten- und Radardaten hinweisen. CBS berichtete, US-Satelliten hätten kurz vor dem Absturz der Maschine den Start von zwei Boden-Luft-Raketen beobachtet.

Auf der Website des iranischen Verkehrsministeriums hieß es dagegen: "Diese Geschichte eines Raketeneinschlags im Flugzeug kann gar nicht korrekt sein." Zum Zeitpunkt des Absturzes seien "mehrere inländische und internationale Flüge auf der gleichen Höhe von 8000 Fuß" im iranischen Luftraum unterwegs gewesen.

Augenzeugen am Boden und an Bord eines zweiten Flugzeugs, das sich zu Beginn des Unglücks über der ukrainischen Boeing befand, berichteten laut der zivilen iranischen Luftfahrtbehörde (CAO) von einem Feuer an Bord, das an "Intensität zunahm". Kurz nach Beginn des Brands sei die Maschine abgedreht und habe versucht, zurück nach Teheran zu fliegen. Nach Angaben der Fluggesellschaft UIA war die Unglücksmaschine erst am Montag technisch überprüft worden.

An den Ermittlungen vor Ort beteiligten sich nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj 45 ukrainische Behördenvertreter und Experten. Einige der ukrainischen Experten waren bereits an den Ermittlungen zum Absturz von Flug MH17 beteiligt, der 2014 über der Ostukraine von einer Rakete getroffen worden war.

Die Ukraine forderte alle internationalen Partner zur Herausgabe von möglichen Beweisen auf. "Wenn ein Land Informationen hat, die eine transparente und objektive Untersuchung der Tragödie ermöglichen, sind wir bereit, diese zu empfangen", erklärte die ukrainische Präsidentschaft.


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