05.01.2020, 14:53 Uhr

Rom (AFP) Betrunkener Autofahrer tötet sechs junge Deutsche in Südtirol

Betrunkener Autofahrer tötet sechs Deutsche in Südtirol. Quelle: Vigili del Fuoco/AFP/Filippo MONTEFORTE (Foto: Vigili del Fuoco/AFP/Filippo MONTEFORTE)Betrunkener Autofahrer tötet sechs Deutsche in Südtirol. Quelle: Vigili del Fuoco/AFP/Filippo MONTEFORTE (Foto: Vigili del Fuoco/AFP/Filippo MONTEFORTE)

Merkel: "Ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet"

Ein betrunkener Autofahrer ist in Südtirol in eine Reisegruppe gerast und hat sechs junge Deutsche getötet. Bei dem Unglück im norditalienischen Luttach wurden in der Nacht zum Sonntag außerdem elf Menschen verletzt, zwei davon schwer. Bei dem 27-jährigen Fahrer wurde ein Alkoholwert von fast zwei Promille im Blut festgestellt, wie die Polizei in Bozen mitteilte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich erschüttert über den Unfall.

Nach Angaben der Feuerwehr von Luttach ereignete sich das Unglück um 01.15 Uhr, nachdem die Gruppe von jugendlichen Skifahrern im Alter von 20 bis 25 Jahren eine Diskothek in dem im Ahrntal gelegenen Ort verlassen hatte und mit dem Bus zu ihrem Hotel zurückgebracht worden war. Die jungen Menschen standen in der Nähe ihres Busses, als der Autofahrer in die Menschenmenge fuhr. Einige der Opfer wurden dutzende Meter weit durch die Luft geschleudert. Die sechs Todesopfer starben direkt vor Ort.

Der Fahrer, der aus der Gegend stammt, wurde festgenommen und wird unter Polizeibewachung in einem Krankenhaus behandelt. Gegen ihn werde wegen "Mord und schwerer Körperverletzung im Straßenverkehr" ermittelt.

Der Busfahrer, der die Gruppe ins Hotel gefahren hatte, berichtete der Tageszeitung "Corriere della Sera": "Kaum hatte ich die jungen Leute abgesetzt, sah ich das Auto mit einer irren Geschwindigkeit kommen." Er habe noch die Lichthupe benutzt, "aber ohne Erfolg". Ein paar Sekunden später habe er im Rückspiegel "die armen Jugendlichen durch die Luft fliegen" sehen.

Von den elf Verletzten kommen nach Angaben der Behörden zwei Menschen aus Südtirol, die anderen aus Deutschland. Zwei schwer verletzte Opfer wurden per Hubschrauber in ein Krankenhaus ins 50 Kilometer entfernte österreichische Innsbruck geflogen. Die neun weiteren Verletzten wurden in örtliche Krankenhäuser in Italien eingeliefert. 160 Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter acht Notärzte. Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats in Mailand unterstützten die italienischen Behörden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte: "Die Nachrichten aus Südtirol sind erschütternd - ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet." Sie trauere mit allen, "die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben". Den Verletzten wünschte sie Kraft und baldige Genesung. Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kommt die Mehrzahl der sechs Todesopfer wohl aus seinem Bundesland.

Für die Angehörigen und Freunde der Opfer wurde eine Telefonhotline eingerichtet, erklärte der Landeshauptmann von Südtirol, Arno Kompatscher. "Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie, wir sind den Opfern und ihren Familien nahe", sagte er vor Journalisten.

"Uns fehlen die Worte", sagte die Rezeptionistin eines örtlichen Hotels dem "Corriere della Sera". Sie wies darauf hin, dass die Anwohner des Ortes mehrfach die Installation eines Geschwindigkeitsradars auf der Straße gefordert hatten, weil die Autofahrer, sobald sie Luttach verlassen, beschleunigen. Die Autos seien "hier, einen Kilometer vom Zentrum entfernt, bereits mit hundert Stundenkilometern unterwegs".

Südtirol liegt in Norditalien an der Grenze zu Österreich. Die Provinz ist wegen ihrer Berglandschaft sowohl im Winter als auch im Sommer ein beliebtes Touristenziel.


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