03.01.2020, 11:10 Uhr

Sydney (AFP) Australische Marine rettet Menschen aus von Flammen eingeschlossener Küstenstadt


Behörden: Zeit zur Flucht wird knapp

Die australische Marine hat mit einer Rettungsaktion für hunderte von den verheerenden Buschbränden eingekesselte Menschen begonnen. Ein Landungsboot der Marine legte am Freitag im Urlaubsort Mallacoota an der Südostküste des Landes an, wo Bewohner und Urlauber seit Silvester festsaßen. Das Land bereitet sich auf eine neuerliche Verschärfung der Brandsituation am Wochenende vor, zehntausende Bewohner und Touristen sind auf der Flucht.

Familien aus Mallacoota gingen mit ihren Haustieren und wenigen Habseligkeiten an Bord des Landungsbootes und wurden anschließend auf das Kriegsschiff "HMAS Choules" gebracht. Bis zum Nachmittag sollten auf diese Weise etwa 1000 Menschen in Sicherheit gebracht werden, sagte Premierminister Scott Morrison.

Eine neue Zuspitzung der Lage wird für das Wochenende erwartet, wenn die Temperaturen auf weit über 40 Grad Celsius steigen sollen. Nahezu im gesamten Südosten des Landes gilt der Ausnahmezustand.

Zehntausende Touristen und Bewohner wurden aufgefordert, bis Samstag einen 300 Kilometer langen Küstenstreifen zu verlassen. "Es gibt noch ein Zeitfenster zur Flucht", sagte New South Wales' Regierungschefin Gladys Berejiklian. "Wenn Sie nicht unbedingt in dieser Region sein müssen, müssen Sie gehen - das Zeitfenster wird sich schließen."

Auf der Straße nördlich der Küstenstadt Nowra stauten sich mit gesamten Familien samt Hunden, Surfbrettern und Fahrrädern beladene Autos. Die 26-jährige Elosie Givney berichtete, wie sie mit zahlreichen Familienangehörigen vier Tage isoliert ohne Strom, Telefon oder Internet in ihrem Haus festsaß, bis eine Polizei-Eskorte sie schließlich in Sicherheit brachte: "Das Feuer näherte sich bis auf 50 Meter, und wir sind mitten durch die Flammen gefahren, denn es gibt nur eine einzige Straße raus oder rein." Auf beiden Seiten der Straße seien die Flammen 15 Meter in die Höhe gezüngelt.

Militärflugzeuge warfen Hilfsgüter über isolierten Regionen ab. Darunter seien Satellitentelefone, Wasser und Not-Rationen, sagte der Regierungschef des Bundesstaates Victoria, Dan Andrews. Bei den seit September wütenden Bränden sind bislang mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen, dutzende weitere werden vermisst. Mehr als 1300 Wohnhäuser wurden beschädigt und fast 500 zerstört, mehr als 5,5 Millionen Hektar Land gingen in Flammen auf - mehr als die Fläche Dänemarks.

Der konservative Premierminister Scott Morrison ist wegen seiner Reaktion auf die Brände in die Kritik geraten. Er war zunächst in den Urlaub nach Hawaii geflogen, während sein Kontinent in Flammen stand. Bei einem Besuch der halb zerstörten Stadt Cobargo wurde er am Freitag ausgebuht. Eine weinende junge Mutter und ein freiwilliger Feuerwehrmann weigerten sich, Morrison die Hand zu geben. Schließlich machte der Premier kehrt, die Bewohner riefen ihm Beschimpfungen hinterher. "Hier wirst du keine Stimmen bekommen, Kumpel", rief ein Bewohner.

Der örtliche Abgeordnete Andrew Constance sagte dem Sender 7 News, die Einwohner hätten Morrison "den Empfang bereitet, den er vermutlich verdient hat". Die Nerven lägen "ziemlich blank, und das hat seinen Grund". Premierminister Morrison selbst räumte ein, die Leute seien frustriert, "und wie immer sie reagieren wollen, ist ihre Sache. Ich nehme das nicht persönlich".


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