03.01.2020, 19:53 Uhr

Washington (AFP) Iran droht den USA nach Tötung von General Soleimani mit "schwerer Vergeltung"


USA entsenden tausende zusätzliche Soldaten - Westen mahnt zur Zurückhaltung

Nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch die USA im Irak stehen die Zeichen auf Eskalation: Der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran drohte den USA am Freitag "schwere Vergeltung" an. Die Reaktion werde "am richtigen Ort zur richtigen Zeit" erfolgen. Die USA entsenden 3000 bis 3500 zusätzliche Soldaten in den Nahen Osten. UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor der Gefahr eines neuen Golfkriegs.

Soleimani war in der Nacht zum Freitag bei einem US-Drohnenangriff unweit des Flughafens von Bagdad getötet worden. Getötet wurde auch der irakische Milizenführer Abu Mehdi al-Muhandis, die Nummer zwei der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Milizen.

Einem örtlichen Behördenvertreter zufolge war al-Muhandis mit seiner Entourage zum Flughafen gefahren, um Soleimani abzuholen. Beim Verlassen des Flughafengeländes seien die beiden Fahrzeuge getroffen und insgesamt zehn Menschen getötet worden.

Der iranische Nationale Sicherheitsrat bezeichnete den Angriff als den "größten Fehler" der USA in der Region und drohte Konsequenzen an. Zuvor hatte bereits Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei mit "schwerer Vergeltung" gedroht. Präsident Hassan Ruhani kündigte an, sein Land und die "freien Nationen der Region" würden sich an den USA rächen. In Teheran und anderen iranischen Städten demonstrierten zehntausende Iraner gegen die USA.

US-Präsident Donald Trump rechtfertigte den von ihm befohlenen Angriff. Er schrieb im Onlinedienst Twitter, Soleimani hätte schon "vor vielen Jahren" getötet werden müssen. Der General habe "tausende Amerikaner getötet oder schwer verletzt, und plante, viele weitere zu töten".

Auch US-Außenminister Mike Pompeo erklärte im Nachrichtensender CNN, der Elite-General habe Angriffe geplant, die das Leben "dutzender oder gar hunderter" US-Bürger gefährdet hätten. Solche Angriffe hätten "unmittelbar bevorgestanden". Er beteuerte jedoch, seine Regierung sei nun um "Deeskalation" bemüht.

Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums sagte, es würden zwischen 3000 und 3500 Soldaten in die Region geschickt. Die Brigade werde in Kuwait stationiert, teilte ein Pentagon-Sprecher mit. Zugleich rief Washington alle US-Bürger zur "sofortigen" Ausreise aus dem Irak auf.

Der 62-jährige Soleimani hatte nicht nur große militärische, sondern auch politische Macht. Bei der Ausweitung des iranischen Einflusses im Nahen Osten und der Golfregion spielte er eine zentrale Rolle. So war er sogar an den Gesprächen zur irakischen Regierungsbildung beteiligt.

Die irakische Regierung warnte vor einer verheerenden militärischen Eskalation. Der Angriff werde "einen zerstörerischen Krieg im Irak auslösen", erklärte der geschäftsführende irakische Regierungschef Adel Abdel Mahdi. Das Parlament wurde für Samstag zu einer Sondersitzung einberufen. Beobachtern zufolge könnte es das Abkommen mit den USA aufkündigen, das die Stationierung der rund 5200 US-Streitkräfte im Irak regelt.

Der einflussreiche irakische Schiitenführer Moktada al-Sadr rief seine vor gut einem Jahrzehnt offiziell aufgelöste Anti-US-Miliz wieder zum Kampf. Er forderte die Kämpfer seiner einst 60.000 Mann starken Mahdi-Armee auf, sich "bereit zu halten". Ein Kommandeur der Hasched-al-Schaabi-Milizen rief seine Kämpfer ebenfalls in Alarmbereitschaft.

Weltweit wuchs die Sorge vor einer Eskalation der Gewalt. UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor der Gefahr eines Krieges. "Die Welt kann sich keinen neuen Golfkrieg erlauben", erklärte er.

Deutschland, Frankreich, Großbritannien und China mahnten zur Zurückhaltung. Es müsse verhindert werden, "dass eine weitere Eskalation die ganze Region in Brand setzt", schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) auf Twitter. Er äußerte sich kritisch zum Vorgehen der USA. Zwar habe es "eine Reihe gefährlicher Provokationen Irans" gegeben, doch sei es durch die US-Aktion "nicht einfacher geworden, Spannungen abzubauen".

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte "alle beteiligten Akteure und jene Partner, die Einfluss haben können, zu maximaler Zurückhaltung" auf. Der "derzeitige Kreislauf der Gewalt muss gestoppt werden, bevor er außer Kontrolle gerät", erklärte er. Jahrelange Bemühungen zur Stabilisierung des Irak würden aufs Spiel gesetzt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der russische Präsident Wladimir Putin warnten ebenfalls vor einer gefährlichen Eskalation in der Golfregion.


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