02.01.2020, 11:38 Uhr

Düsseldorf (AFP) Arbeitsplatzsorgen nehmen trotz Rekordbeschäftigung zu

Frau betrachtet Stellenangebote in einer Arbeitsagentur . Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Ralf Hirschberger (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Ralf Hirschberger)Frau betrachtet Stellenangebote in einer Arbeitsagentur . Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Ralf Hirschberger (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Ralf Hirschberger)

Studie: Angekündigte Stellenstreichungen sorgen für Verunsicherung

Trotz Rekordbeschäftigung: Immer mehr Menschen hierzulande sorgen sich um ihren Arbeitsplatz. Laut einer Umfrage der Beratungsgesellschaft EY halten noch 43 Prozent der Deutschen ihren Arbeitsplatz für sehr sicher - das sind sechs Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Das sei der geringste Wert seit der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren, erklärte EY am Donnerstag.

2019 waren im Jahresdurchschnitt 45,3 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig, das war der höchste Wert seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Mit 402.000 mehr Erwerbstätigen als 2018 habe sich der seit 14 Jahren anhaltende Anstieg fortgesetzt.

Das Plus war allerdings geringer als 2018. Damals war die Zahl der Erwerbstätigen um 1,4 Prozent gestiegen, wie schon im Jahr 2017. 2019 betrug der Anstieg 0,9 Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen nach international vergleichbarer Definition sank vorläufigen Schätzungen zufolge um 96.000 oder 6,5 Prozent auf 1,37 Millionen im Jahresdurchschnitt, wie die Statistiker weiter mitteilten. Die Erwerbslosenquote sank damit von 3,2 Prozent auf drei Prozent.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sei weiterhin "sehr günstig", doch die schwächelnde Konjunktur und "die immer häufiger angekündigten Stellenstreichungspläne namhafter Unternehmen" sorgen laut EY für Verunsicherung. "Viele Unternehmen haben zuletzt Gewinnwarnungen herausgegeben oder sogar den Abbau von Arbeitsplätzen verkündet", erklärten die Berater. „An den Verbrauchern ist die Entwicklung nicht spurlos vorbeigegangen."

Demnach rechnen nur zwölf Prozent der Befragten mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage in Deutschland im bevorstehenden Jahr. "Gleichzeitig gehen 35 Prozent von einer Verschlechterung aus - höher war der Anteil der Pessimisten zuletzt 2012."

Die Zurückhaltung der Unternehmen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern nimmt laut Bundesagentur für Arbeit (BA) tatsächlich zu: Der Stellenindex der BA für die Arbeitskräftenachfrage sank im Dezember auf 223 Punkte, das waren 31 Punkte weniger als im Vorjahresmonat. Damit war die von der Agentur erhobene Arbeitskräftenachfrage im gesamten Jahresverlauf 2019 rückläufig. Besonders sei dies in "konjunkturnahen Branchen" wie dem verarbeitenden Gewerbe oder der Zeitarbeit zu beobachten.

Dass sich der Arbeitsmarkt 2019 insgesamt trotzdem so positiv entwickelte und die Zahl der Arbeitnehmer um 475.000 oder um 1,2 Prozent anstieg, lag nach Angaben des Statistischen Bundesamts besonders an neuen Arbeitsplätzen in den Dienstleistungsbereichen wie Erziehung und Gesundheit.

Darauf folgten Handel, Verkehr und Gastgewerbe sowie Information und Kommunikation. Auch in der Industrie und im Baugewerbe gab es mehr Jobs als 2018. In der Land- und Forstwirtschaft dagegen ging die Zahl der Erwerbstätigen weiter zurück.


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