30.12.2019, 15:01 Uhr

Potsdam (AFP) Trauer um Manfred Stolpe - SPD-Politiker im Alter von 83 Jahren gestorben

SPD-Politiker Manfred Stolpe gestorben. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Ralf Hirschberger (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Ralf Hirschberger)SPD-Politiker Manfred Stolpe gestorben. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Ralf Hirschberger (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Ralf Hirschberger)

Steinmeier und Merkel würdigen Engagement des Brandenburger Ex- Regierungschefs

Trauer um Manfred Stolpe: Der SPD-Politiker ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Der frühere Ministerpräsident des Landes Brandenburg sei "nach langer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen", teilte die Staatskanzlei in Potsdam am Montag mit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihn als "überragende politische Persönlichkeit". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob den "leidenschaftlichen und geradlinigen Einsatz" Stolpes für seine Mitbürger hervor.

Als Ministerpräsident von Brandenburg habe Stolpe "maßgeblich zum erfolgreichen Aufbau demokratischer Strukturen und Prozesse" in dem neu gegründeten Bundesland beigetragen, erklärte Merkel. Der Sozialdemokrat sei "über viele Jahre Landesvater, Gesicht und Stimme Brandenburgs" gewesen.

Steinmeier schrieb in einem Kondolenzbrief an Stolpes Witwe, deren Mann habe weit über Brandenburg hinaus "den Weg Ostdeutschlands in die Demokratie des geeinten Deutschland geprägt und gestaltet". "Der Trauer über den großen Verlust, dessen bin ich sicher, schließen sich zahlreiche Menschen in Brandenburg, in Deutschland und politische Partner vor allem im Osten Europas an", fügte der Bundespräsident hinzu. "Ihnen allen hat Manfred Stolpe viel bedeutet."

Stolpe habe sich vom Schicksal bedrängter Mitmenschen bewegen lassen, ohne große Worte darüber zu verlieren. "Diese unmittelbare Menschlichkeit und Zugewandtheit prägte sein Leben", schrieb Steinmeier. "Als Mann der Kirche in der DDR hat er vielen Menschen geholfen, die wegen kritischer Meinungen, wegen ihrer christlichen Überzeugung und kirchlichen Bindung oder einfach wegen ihres Wunsches auszureisen vom SED-Regime drangsaliert wurden."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einem "Tag tiefer Trauer". "Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst. Manfred Stolpe war der Vater des modernen Brandenburgs", erklärte Woidke. Ab Dienstag liegt in der Staatskanzlei ein Kondolenzbuch für die Öffentlichkeit aus.

SPD-Parteichef Norbert Walter-Borjans schrieb auf Twitter, Stolpes Tod mache ihn "sehr traurig". "Mit ihm verlieren Deutschland, Brandenburg und die Sozialdemokratie eine prägende Persönlichkeit". Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) äußerte sich "tief betroffen". "Er war eine der großen Persönlichkeiten unseres Landes in Zeiten der Teilung und auch später, als der Kirchenmann zum Politiker wurde", erklärte Müller.

Die Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), nannte Stolpe einen "großartigen Ministerpräsidenten und echten Landesvater" sowie einen "engagierten Streiter für Augenhöhe im vereinten Deutschland". Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) würdigte den Verstorbenen als "Mittler zwischen Ost und West". "Sein Denken war das des versierten Juristen, sein Handeln das des preußischen Staatsdieners, sein Glaube ein christlicher, seine politische Haltung eine sozialdemokratische", erklärte Schäuble.

Trauer bekundeten auch die Fraktionen von SPD, Grünen und CDU in Brandenburg sowie die dortige Landtagspräsidentin Ulrike Lietzke und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Der am 16. Mai 1936 in Stettin geborene Jurist war von 1990 bis 2002 Regierungschef in Brandenburg. Nach seinem überraschenden Rücktritt wurde er im Herbst 2002 Bundesverkehrsminister in der damaligen rot-grünen Bundesregierung und blieb bis Ende der Legislaturperiode 2005 im Amt. Seine Amtszeit als Verkehrsminister wurde überschattet vom Debakel um die Lkw-Maut.

Umstritten war Stolpe wegen seiner Kontakte zur DDR-Staatssicherheit, die er als hoher Vertreter der Evangelischen Kirche zu DDR-Zeiten geknüpft hatte. Stolpe selbst gab an, er habe dies getan, um den vom Regime Verfolgten zu helfen.


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