29.12.2019, 13:33 Uhr

Berlin (AFP) BUND: Mit Philippsburg geht eines der störanfälligsten Akw vom Netz

Schild mit Aufschrift "Vorsicht! Erhöhte Strahlung". Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Christian Charisius (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Christian Charisius)Schild mit Aufschrift "Vorsicht! Erhöhte Strahlung". Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Christian Charisius (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Christian Charisius)

Umweltorganisation fordert kompletten Ausstieg aus der Atomenergie

Die Umweltschutzorganisation BUND fordert die Bundesregierung nach dem Abschalten des Akw Philippsburg auf, komplett aus der Atomenergie auszusteigen. Auch die aktuell noch unbefristet laufende Brennelementefabrik Lingen und die Urananreichungsanlage Gronau müssten stillgelegt werden, forderte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt am Sonntag. Die Organisation begrüßte, dass mit dem badischen Akw Philippsburg zum Jahresende "eines der störanfälligsten Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz" gehe.

Das Kraftwerk Philippsburg sei mehr als dreißig Jahre gelaufen, obwohl es gegen geltende Sicherheitsanforderungen verstoßen habe. "Jedes abgeschaltete Akw ist ein Erfolg für den jahrzehntelangen Kampf gegen die gefährliche Atomkraft", sagte Bandt.

Nach der Abschaltung von Philippsburg sind noch sechs Atomkraftwerke in Deutschland am Netz. Drei haben eine Betriebsgenehmigung bis Ende 2021 (Brokdorf, Grohnde, Gundremmingen), drei bis Ende 2022 (Emsland, Neckarwestheim und Isar).

Der Sprecher des Arbeitskreises Atom und Strahlenschutz beim BUND, Edo Günther, kritisierte, Atomkraft werde "als vorgeblicher Klimaretter immer wieder als Heilsbringer aus dem Hut gezaubert". Atomkraftwerke seien jedoch keine Lösung für den Klimaschutz. "Die unsichere Technik ist teuer, unwirtschaftlich und mitnichten CO2-neutral", so Günther.

BUND-Chef Bandt betonte: "Was letztlich bleibt, ist die ungelöste Jahrtausendaufgabe der Lagerung." Das "strahlende Erbe" werde dabei "unfair und unsozial auf nachfolgende Generationen umgewälzt".

Derweil mahnte der Chef des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), Wolfram König, eine Beschleunigung der Energiewende an und verteidigte den Atomausstieg. "Die Herausforderung wird sein, die Versorgungssicherheit bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Kohleverstromung zu gewährleisten", sagte König den Funke-Zeitungen vom Samstag. "Der Ausbau der regenerativen Energien und der Leitungsnetze muss massiv vorangetrieben werden." Engpässe könnten allerdings mit Reserve-Kraftwerken vermieden werden.

König wandte sich gegen die Annahme, Deutschland steige zu früh aus der Kernenergie aus. "Die Atomkraft wirft zentrale Sicherheitsfragen auf. Es werden Hochrisikostoffe eingesetzt und erzeugt, die das Leben massiv beeinträchtigen können", sagte er. "In Deutschland hat es über Jahrzehnte einen gesellschaftlichen Großkonflikt gegeben über die Nutzung der Atomenergie, den wir mit dem Ausstieg befrieden."

König warnte die Bundesländer vor Egoismus bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager. "Die Endlagersuche darf nicht von Einzelinteressen geleitet sein", sagte er. "Die Suche steuert der Bund, und keiner der Verantwortlichen darf sich von politisch motivierten Äußerungen aus den Ländern beeindrucken lassen."

Widerstand leistet vor allem Bayern. CSU und Freie Wähler haben den Freistaat in ihrem Koalitionsvertrag für ungeeignet als Endlagerstandort erklärt. König entgegnete, Bayern tue sich keinen Gefallen, wenn es sich von vornherein gegen ein Endlager sperre. "Bekanntermaßen hat der Freistaat hochradioaktive Abfälle maßgeblich mitproduziert."


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