29.12.2019, 08:57 Uhr

Bagdad (AFP) US-Zivilist bei Raketenangriff auf Militärstützpunkt im Irak getötet

USA fordern besseren Schutz von US-Einrichtungen im Irak. Quelle: AFP/SAFIN HAMED (Foto: AFP/SAFIN HAMED)USA fordern besseren Schutz von US-Einrichtungen im Irak. Quelle: AFP/SAFIN HAMED (Foto: AFP/SAFIN HAMED)

Demonstranten legen Produktion auf Ölfeld im Süden des Landes lahm

Bei einem Angriff mit 30 Raketen auf einen Militärstützpunkt im Norden Iraks ist ein US-Zivilist getötet worden. Mehrere irakische und US-Soldaten seien bei dem Angriff auf den Stützpunkt K1 in Kirkuk am Freitagabend verletzt worden, teilte die von den USA angeführte internationale Koalition zum Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit.

Der Raketenangriff sei "sehr präzise" ausgeführt worden, sagte ein irakischer Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur AFP. "Er zielte genau auf den Bereich ab, in dem sich die Amerikaner befinden, ganz in der Nähe des Sitzungssaals." Laut der irakischen Armee hätte es noch viel mehr Tote und Verletzte geben können, da hochrangige Vertreter der irakischen Polizei sowie der Anti-IS-Koalition dort ursprünglich ein Treffen hätten abhalten wollen, das aber wegen schlechter Wetterverhältnisse verschoben worden sei.

Seit Ende Oktober wurden mehrere Raketenangriffe auf Anlagen im Irak verübt, auf denen US-Soldaten oder US-Diplomaten stationiert sind. Niemand bekannte sich zu den Angriffen, die USA machen aber pro-iranische Milizen dafür verantwortlich. Erstmals wurde dabei nun ein US-Bürger getötet. Aus US-Kreisen verlautete, pro-iranische Milizen würden inzwischen als eine größere Bedrohung für US-Soldaten angesehen als die IS-Miliz. Nach Angaben der irakischen Sicherheitskräfte traf kürzlich ein Konvoi von 15 mit Waffen beladenen Fahrzeugen in der US-Botschaft in Bagdad ein.

In der Mitteilung der Anti-IS-Koalition hieß es, irakische Sicherheitskräfte hätten Ermittlungen eingeleitet und seien zuständig für eine mögliche Reaktion auf den Angriff in Kirkuk. Zu den mutmaßlichen Angreifern äußerte sich die Koalition nicht offiziell. Der Vorfall könnte jedoch zu einer Eskalation in den ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Washington und Teheran führen.

Ein Vertreter der US-Behörden sagte, mindestens 30 Raketen seien auf die Basis abgefeuert worden. Dabei sei auch ein Munitionsdepot getroffen worden, wodurch es weitere Explosionen gegeben habe. Vier weitere nicht abgefeuerte Raketen seien auf einem Lastwagen in der Nähe des Stützpunkts gefunden worden.

Mehrere US-Diplomaten und Militärvertreter zeigten sich frustriert über die sich wiederholenden Angriffe. Die USA setzten bislang darauf, dass ihre irakischen Partner eine deeskalierende Rolle zwischen den US-Streitkräften und den schiitischen Hasched-al-Schaabi-Milizen spielen. Zu diesen Milizen gehören mehrere paramilitärische, größtenteils proiranische Gruppierungen. Die 2014 für den Kampf gegen den IS gegründeten Milizen unterstehen offiziell der Regierung, doch agieren viele auf eigene Faust.

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte die Regierung in Bagdad bei einem Besuch vor wenigen Wochen zu einem besseren Schutz der Militäranlagen aufgefordert. US-Präsident Donald Trump ist grundsätzlich gegen ein verstärktes militärisches Engagement in der Region.

Der Irak wird seit Anfang Oktober angesichts einer schweren sozialen Krise von einer beispiellosen Protestwelle erschüttert. Am Samstag blockierten Demonstranten die Zufahrt zu einem Ölfeld in Nasirijah im Süden des Landes und legten die dortige Produktion lahm. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden in den vergangenen Monaten mindestens 460 Menschen getötet und 25.000 verletzt. Unter dem Druck der Demonstranten trat Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi zurück, führt die Regierung aber geschäftsführend weiter. Der Iran übt großen Einfluss im Irak aus und versucht, die Bildung einer neuen Regierung zu beeinflussen.


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