26.12.2019, 12:01 Uhr

Moscow (AFP) Putin-Kritiker soll auf Militärbasis in Arktis gebracht worden sein

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. Quelle: AFP/Archiv/Vasily MAXIMOV (Foto: AFP/Archiv/Vasily MAXIMOV )Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. Quelle: AFP/Archiv/Vasily MAXIMOV (Foto: AFP/Archiv/Vasily MAXIMOV )

Opposition beklagt "Entführung" - Armee spricht von rechtmäßiger Einberufung

Ein Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin soll nach Oppositionsangaben widerrechtlich zum Militärdienst eingezogen und in eine entlegene Basis in der Arktis gebracht worden sein. Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny erklärte am Mittwoch, sein Weggefährte Ruslan Schaweddinow werde auf einer geheimen Luftabwehrbasis im Nowaja-Semlja-Archipel als "politischer Gefangener" festgehalten. Nawalny wurde am Donnerstag kurzzeitig festgenommen, das Büro seiner Stiftung in Moskau wurde durchsucht.

Der 23-jährige Schaweddinow wurde seit Montag vermisst. Laut Nawalny soll die Polizei in die Moskauer Wohnung Schaweddinows eingedrungen und ihn sofort festgenommen und abtransportiert haben. Schaweddinow arbeitete als Projektmanager für Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung. Die Stiftung wurde von den russischen Behörden in diesem Jahr als "ausländischer Agent" eingestuft. Gegen sie wird zudem wegen angeblicher Geldwäsche ermittelt.

In Russland gilt Wehrpflicht für alle Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, die Dienstzeit beträgt ein Jahr. Ein Armeesprecher sagte der Nachrichtenagentur Tass, Schaweddinow habe sich seit langem vor dem Wehrdienst gedrückt. Seine jetzige Einberufung entspreche dem Gesetz.

Nawalny führte hingegen ins Feld, Schaweddinow sei aus gesundheitlichen Gründen für den Wehrdienst ungeeignet. Auch sei er ohne jegliche Grundausbildung zum Nowaja-Semlja-Archipel entsandt worden.

Wjatscheslaw Gimadi, ein Anwalt von Nawalnys Stiftung, sprach von einer "Entführung" und warf Putin sowie Verteidigungsminister Sergej Schoigu vor, direkt dafür verantwortlich zu sein. Einige Unterstützer Schaweddinows demonstrierten am Mittwochabend in Moskau vor dem Sitz des Generalstabs der russischen Streitkräfte.

Am Donnerstag durchsuchte die Polizei das Büro von Nawalnys Stiftung in Moskau und nahm den 43-jährigen Blogger und Rechtsanwalt kurzeitig fest. Nawalny und mehrere Mitstreiter veröffentlichten im Internet Videos vom Beginn der Durchsuchung. Darauf ist zu sehen, wie die Tür des Büros mit einer Bohrmaschine und einer Säge aufgebrochen wird.

"Alexej wurde gewaltsam festgenommen und mitgenommen. Er hat sich nicht gewehrt", schrieb seine Sprecherin Kira Jarmisch im Onlinedienst Twitter. Etwa eine Stunde später sagte sie der Nachrichtenagentur AFP: "Er ist frei. Er wurde nicht in Gewahrsam genommen." Nawalny selbst schrieb bei Twitter, er sei "gewaltsam" aus dem Büro gebracht worden. Die Polizei habe Unterlagen der Stiftung beschlagnahmt.

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker Putins. Die Stiftung des Anwalts deckt immer wieder Fälle von Korruption und den dekadenten Lebensstil von Vertretern der russischen Führung auf. Nawalny wurde schon mehrfach festgenommen und zu Haftstrafen verurteilt.

Zuletzt hatten die russischen Behörden den Druck auf Nawalny und seine Unterstützer noch einmal erhöht. Nawalny hatte im Sommer Massenproteste für faire Kommunalwahlen in Moskau mitorganisiert. Nach zahlreichen Großdemonstrationen der Opposition büßten die kremltreuen Parteien einen Großteil ihrer Mandate ein. Nawalny verbüßte im Juli und August eine 30-tägige Haftstrafe, weil er nicht genehmigte Demonstrationen organisiert hatte.


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