20.12.2019, 12:24 Uhr

Cape Canaveral (AFP) Boeing-Raumkapsel "Starliner" zu unbemanntem Testflug zur ISS gestartet

Atlas-V-Rakete mit Boeing-Raumkapsel. Quelle: NASA/AFP/Joel KOWSKY (Foto: NASA/AFP/Joel KOWSKY)Atlas-V-Rakete mit Boeing-Raumkapsel. Quelle: NASA/AFP/Joel KOWSKY (Foto: NASA/AFP/Joel KOWSKY)

Neuentwicklung soll USA bei bemannten Missionen unabhängig von Russland machen

Eine Raumkapsel, die das private Luftfahrtunternehmen Boeing für bemannte Raummissionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa entwickelt hat, ist zu einem unbemannten Testflug zur Internationalen Raumstation ISS gestartet. Auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida hob am Freitag planmäßig um 06.36 Uhr (Ortszeit, 12.36 Uhr MEZ) eine Atlas-V-Rakete mit dem "Starliner" ab. 25 Stunden später sollte die Raumkapsel des US-Unternehmens an der ISS andocken.

In acht Tagen soll die Raumkapsel auf die Erde zurückkehren. Ein erfolgreicher Test wäre ein wichtiger Schritt für eine Unabhängigkeit der USA von Russland bei bemannten Raummissionen.

An Bord des "Starliner" war lediglich eine Puppe, die wegen ihres Kopftuchs Rosie getauft wurde. Der Name geht zurück auf Rosie the Riveter, Star einer Kampagne zur Anwerbung von Frauen für Rüstungsfabriken während des Zweiten Weltkriegs. Das Bild von der Frau mit Blaumann und rotem Kopftuch, die stolz ihren Bizeps präsentiert, ist bis heute weltbekannt.

Die Nasa ist derzeit von russischen Sojus-Raketen abhängig, um Astronauten ins All zu bringen. 2011 hatte sie ihr eigenes Shuttle-Programm nach drei Jahrzehnten eingestellt. Die USA wollen ihre Abhängigkeit von Russland jedoch beenden. Unter dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama wurde dazu ein Strategiewechsel eingeleitet: Statt selbst neue Raketen zu entwickeln, wurde beschlossen, Privatunternehmen dafür anzuheuern.

Boeing wie auch sein Konkurrent SpaceX erhielten in der Folge Milliardenbeträge, um bemannte Raumfähren "Made in the USA" zu entwickeln. Beide US-Unternehmen hinken zwei Jahre hinter dem Zeitplan her, scheinen aber mittlerweile beide nahezu fertig mit der Entwicklung zu sein. Vor einer Zulassung ihrer Raumfähren für die bemannte Raumfahrt sind aber noch abschließende Tests wie nun der "Starliner"-Flug zur ISS notwendig.

SpaceX hatte bereits im März mit seiner für bemannte Missionen vorgesehenen Raumfähre "CrewDragon" einen erfolgreichen Testflug zur ISS absolviert. An Bord war ebenfalls ein Dummy, der nach der Hauptfigur der "Alien"-Filme "Ripley" genannt wurde. Die Puppen werden mit Sensoren versehen, um die Flugbedingungen für echte Menschen nachzuvollziehen.

"Spätestens Anfang nächsten Jahres werden wir erstmals seit dem Ausmustern der Space Shuttles 2011 amerikanische Astronauten in amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden starten lassen", versicherte Nasa-Chef Jim Bridenstine am Donnerstag in Cape Canaveral.


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