20.12.2019, 09:07 Uhr

Hamburg (AFP) Bericht: Regierung plant Gesetz gegen Warenvernichtung Anfang 2020

Paketzentrum in Bochum . Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Marcel Kusch (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Marcel Kusch)Paketzentrum in Bochum . Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Marcel Kusch (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Marcel Kusch)

Greenpeace wirft Amazon erneut systematische Zerstörung von Neuwaren vor

Die Bundesregierung will einem Bericht zufolge im kommenden Jahr eine sogenannte Obhutspflicht für den Umgang mit Retouren und nicht verkaufter Neuware einführen, damit Händler weniger Produkte vernichten. Darauf einigten sich Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesumweltministeriums, wie der NDR am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise berichtete. Das Bundeskabinett solle diese Obhutspflicht Anfang des Jahres beschließen.

Laut Bericht soll die Obhutspflicht die Händler dazu anhalten, Transport und Aufbewahrung neuer Waren so zu gestalten, dass die Produkte länger nutzbar bleiben. Vernichtung solle zur Ultima Ratio werden. Zudem sollen Händler zu mehr Transparenz gezwungen werden, was die Vernichtung von unbenutzter Ware angeht. Erst wenn ein Verkauf oder eine Spende technisch oder rechtlich nicht mehr möglich sei, etwa wegen einer Gefahr für die Gesundheit, solle eine Vernichtung erlaubt sein. Auch wenn es für einen Händler "wirtschaftlich nicht mehr zumutbar" sei, soll er ein Produkt als Abfall verwerten dürfen.

Die Umweltorganisation Greenpeace teilte am Freitag mit, eigene Recherchen hätten ergeben, dass Amazon in seinem Logistikzentrum in Winsen wöchentlich 20 Kubikmeter originalverpackte und neuwertige Waren vernichte. Fotos und interne Dokumente zeigten eine Vielzahl an Produkten und belegten die Abholung durch eine Entsorgungsfirma.

Ausgehend von den Erkenntnissen aus Winsen müsse es sich deutschlandweit um Millionen von Artikeln handeln, die Amazon regelmäßig zerstöre, erklärte Greenpeace. "Es darf nicht sein, dass der Platz im Regal für den Onlinehändler anscheinend wertvoller ist als das Produkt, das drin liegt", sagte Konsumexpertin Viola Wohlgemuth. "Eine solche Verschwendung ist ein Klimaverbrechen, das wir uns in Zeiten der Klimakrise nicht mehr leisten können."

Greenpeace hatte im Juli gegen die Vernichtung von Neuwaren bei Amazon protestiert. Das Unternehmen bestritt damals nicht, Artikel zu entsorgen und erklärte stattdessen, über mehrere Programme die "Entsorgung von Produkten" weiter zu reduzieren - etwa über Wiederverkäufe oder Spenden. Amazon arbeite "kontinuierlich an der Verbesserung von Nachfrageprognosen", um die Zahl nicht verkaufter Artikel zu minimieren.


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