16.12.2019, 14:32 Uhr

Temeswar (AFP) "Freiheitsmarsch" in Temeswar zur Erinnerung an Revolution gegen Ceausescu

Pastor Tökes, dessen Schicksal die Revolution in Gang setzte. Quelle: AFP/Daniel MIHAILESCU (Foto: AFP/Daniel MIHAILESCU)Pastor Tökes, dessen Schicksal die Revolution in Gang setzte. Quelle: AFP/Daniel MIHAILESCU (Foto: AFP/Daniel MIHAILESCU)

Rumänischer Diktator wurde vor 30 Jahren gestürzt und hingerichtet

Mit einem "Freiheitsmarsch" hat in Rumänien eine Reihe von Veranstaltungen zur Erinnerung an den Sturz des Diktators Nicolae Ceausescu vor 30 Jahren begonnen. Mehrere hundert Menschen nahmen am Sonntag mit Fackeln und rumänischen Flaggen an einem Zug durch die westrumänische Stadt Temeswar teil, wo der Umsturz seinen Ausgang genommen hatte. Anwesend war auch der heute 67-jährige Pastor Laszlo Tökes, an dessen Schicksal sich die Revolution entzündete.

Der "Freiheitsmarsch" bewegte sich zu der Kirche, wo der damalige regimekritische Pastor tätig gewesen war. Die Anordnung zur Zwangsumsiedlung des Geistlichen von der evangelisch-reformierten Kirche hatte zu Demonstrationen in Temeswar geführt, die am 16. Dezember 1989 begannen, sich in den folgenden Tagen auf andere Landesteile ausweiteten und schließlich im Sturz Ceausescus mündeten.

"Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Menschen meinem Aufruf folgen würden", sagte Tökes. Die damals aufgekommene Solidarität habe sich zu einer Protestbewegung gegen das kommunistische Regime ausgeweitet.

Die 41-jährige Codruta Cesnea, die an dem Fackelzug teilnahm, sagte, die damals gebrachten Opfer dürften "niemals vergessen werden". Ceausescu hatte zwei Tage nach dem Beginn der Proteste den Schießbefehl erteilt. In Temeswar gab es am 17. Dezember 1989 rund 60 Tote und mehr als 2000 Verletzte.

Der Ingenieur Gerhard Ullmann, der 1994 nach Deutschland auswanderte und nun zu den Gedenkveranstaltungen eigens nach Rumänien zurückkehrte, zeigte sich wenig begeistert über die inzwischen erreichten Veränderungen. Was die Löhne und das Lebensniveau angehe, stehe es heute um die Rumänen kaum besser, sagte Ullmann. Der 51-jährige Historiker Adrian Kali hingegen sagte, dass heutzutage "jedermann ins Ausland reisen, ein Auto oder ein Haus kaufen kann". Die Zahl der im Ausland lebenden Rumänen wird auf fast vier Millionen geschätzt.

Am 22. Dezember 1989 flüchteten der kommunistische Machthaber und seine Frau aus der Hauptstadt Bukarest. Doch sie wurden kurz darauf festgenommen und am 25. Dezember hingerichtet. Während der Revolution wurden 1104 Menschen in Rumänien getötet und 3552 weitere verletzt.

Erst kürzlich begann eine Aufarbeitung der damaligen blutigen Geschehnisse vor dem Obersten Gericht des Landes. Geklärt werden soll, wer für die zahlreichen Todesopfer verantwortlich ist. Wichtigster Angeklagter ist Ceausescus Nachfolger Ion Iliescu. Rumänien war der letzte Satellitenstaat der Sowjetunion, der im Wendejahr 1989 das kommunistische Regime stürzte.


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