29.11.2019, 15:45 Uhr

Hamburg (AFP) Mehr als 600.000 Menschen protestieren laut Fridays for Future für Klimaschutz

Klimademonstration in Stuttgart. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Tom Weller (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Tom Weller)Klimademonstration in Stuttgart. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Tom Weller (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Tom Weller)

Weiterer bundesweiter Aktionstag - Geschäfte in Frankfurt blockiert

Rund 630.000 Menschen sind Freitag in Deutschland bei einem neuerlichen bundesweiten Klimaprotesttag von Fridays for Future nach Angaben der Organisatoren auf die Straßen gegangen. Fridays for Future zufolge kamen zur größten Einzeldemonstration in Berlin rund 60.000 Teilnehmer zusammen. In Hamburg waren es demnach etwa 55.000, in München protestierten 33.000.

Vergleichszahlen der Polizei gab es nur für einzelne Städte. In Berlin sprachen die Beamten lediglich grob von mehreren zehntausend Demonstranten. In Hamburg bezifferte die Polizei die Zahl der Protestierenden zunächst auf rund 30.000, in München zählten die Beamten etwa 18.000.

Die hauptsächlich von Schülern und Studenten getragene Bewegung Fridays for Future hatte zu Protestaktionen in mehr als 520 Orten aufgerufen. Damit wollten die Aktivisten ihre Forderungen nach einer Überarbeitung des Klimapakets der Bundesregierung und einem schnelleren Kohleausstieg unterstreichen. Die Proteste waren Teil eines globalen Klimaaktionstags in mehr als 150 Staaten.

Die Große Koalition aus Union und SPD im Bund betreibe "zerstörerische Politik", erklärte Fridays for Future zu ihren neuerlichen Großdemonstrationen am Freitag. Dies treibe die Bewegung an, "weiter laut zu sein".

Die führende Fridays-for-Future-Vertreterin Luisa Neubauer warf der Regierung "Stagnation" beim Thema Klimaschutz vor. Die Regierung habe im vergangenen Jahr viele Handlungsmöglichkeiten ungenutzt verstreichen lassen, sagte sie der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom Freitag. "Das politische Versagen ist dramatisch." Auf Twitter schrieb Neubauer: "Diese Klimapolitik raubt uns unsere Zukunft."

In diesem Jahr gab es bereits mehrere große derartige Aktionstage, zuletzt im September. Damals gingen laut Fridays for Future in Deutschland rund 1,4 Millionen Menschen auf die Straßen. Auch Gewerkschaften, Kirchen und viele andere Organisationen beteiligten sich daran.

Auch an diesem Freitag unterstützten Vertreter von Gewerkschaften sowie Künstler die Demonstranten. Bei einer Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin sprach der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann. "Gesunde Umwelt und gute Arbeit sind kein Widerspruch", sagte er laut DGB. In Berlin traten unter anderem auch die Künstler der Band "Seeed" auf.

In Frankfurt am Main kam es am Rande der Proteste laut Polizei zur Blockade von Geschäftseingängen an der Einkaufsstraße Zeil. Die örtliche Gruppe von Fridays for Future hatte das zuvor angekündigt, um ein Zeichen gegen "unmenschliche Produktionsweisen" von Konzernen zu setzen. Diese zerstörten "unsere Lebensgrundlage".

In Köln blockierten Unbekannte kurz vor der Großdemo von Fridays for Future an mindestens 24 Schulgebäuden Eingangstüren oder Zufahrten zu Lehrerparkplätzen mit Ketten, Kabelbindern und Vorhängeschlössern. Zudem wurden in der Nacht zum Freitag zahlreiche Schulen durch zum Teil massive und großflächige Farbschmierereien verunstaltet, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Ansonsten verliefen die Klimaproteste nach Angaben der Polizei weitgehend störungsfrei. In Freiburg lobte die Polizei das Verhalten der zumeist jungen Demonstranten als "vorbildlich". Dies habe sich etwa gezeigt, als die Teilnehmer Rettungsfahrzeugen auf Einsatzfahrt Platz gemacht hätten. In der Stadt in Baden-Württemberg waren demnach deutlich mehr als zehntausend Menschen unterwegs.

Fridays for Future organisiert seit 49 Wochen jeden Freitag Schulstreiks für mehr Klimaschutz in Deutschland. Die Bewegung geht auf die junge schwedische Aktivistin Greta Thunberg zurück, die damit begann, jeden Freitag die Schule zu schwänzen, um vor dem schwedischen Parlament für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zu protestieren. Sie gilt als Vorbild der Bewegung, die inzwischen global aktiv ist.


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