28.11.2019, 13:15 Uhr

Berlin (AFP) Pflegebedürftige zunehmend in betreuten Anlagen und Wohngemeinschaften betreut

Bewohner einer Pflege-WG in Berlin. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Christoph Soeder (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Christoph Soeder)Bewohner einer Pflege-WG in Berlin. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Christoph Soeder (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Christoph Soeder)

Barmer fordert Qualitätsprüfung wie bei Pflegeheimen

Pflege-WG statt Heim: In Deutschland werden immer mehr Pflegebedürftige in Wohngemeinschaften und im betreuten Wohnen versorgt. Bundesweit gibt es inzwischen bis zu 8000 betreute Wohnanlagen und rund 4000 Pflege-WGs, wie aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Barmer-Pflegereport hervorgeht. Etwa 150.000 Pflegebedürftige leben demnach in betreuten Anlagen und rund 31.000 in Wohngemeinschaften. Die Barmer und auch Patientenschützer fordern Qualitätsprüfungen wie bei Pflegeheimen.

Etwa jede dritte der betreuten Wohnanlagen entstand demnach in den vergangenen zehn Jahren. Allein 2018 waren dem Bericht zufolge weitere 340 betreute Wohnanlagen mit zehntausend Pflegeplätzen im Bau oder in Planung. Im Vergleich dazu gibt es aktuell bei den Pflegheimen 270 Projekte.

Betreutes Wohnen wird außerdem zunehmend direkt von Pflegeeinrichtungen angeboten. War im Jahr 2004 noch knapp die Hälfte der betreuten Wohnanlagen unabhängig von Heimen, war es im vergangenen Jahr nur noch ein Viertel.

"Wer sich für betreutes Wohnen oder eine Wohngemeinschaft entscheidet, sucht vor allem mehr Lebensqualität im Vergleich zu einem Heim", erklärter Barmer-Chef Christoph Straub. Die Qualität der Pflege dürfe dabei aber nicht auf der Strecke bleiben. Nötig sei "eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den Bundesländern" und ein Pflege-TÜV für die neuen Wohn- und Pflegeformen. Zudem sollten die Länder generell für die Pflege die Aufsicht übernehmen und für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen.

"In der Summe finden sich keine Vorteile in der Pflegequalität in der Pflege-WG oder in betreutem Wohnen gegenüber der Pflegequalität im Pflegeheim", lautet das Fazit der Experten. Vorteile gebe es hingegen bei Lebensqualität, Wohnraumgestaltung und Wahlfreiheit.

Dem Report zufolge sind bei den Bewohnern im betreuten Wohnen und in den Pflege-WGs beispielsweise Arztkontakte seltener und auch Verordnungen von Antipsychotika. Diese Mittel werden bei psychotischen Erkrankungen angewendet, speziell bei Schizophrenie, bei bipolaren Störungen oder bei Unruhe und Schlafstörungen durch Psychosen.

Im betreuten Wohnen sind der Barmer zufolge zugleich neue Fälle von Wundliegen, dem sogenannten Dekubitus, zu 66 Prozent wahrscheinlicher als im Pflegeheim. Zudem müssten 3,6 Prozent der Bwohner des betreuten Wohnens wegen Erkrankungen ins Krankenhaus, die sich auch ambulant gut behandeln ließen. In Pflegeheimen gibt es nur 2,5 Prozent solcher Fälle je Monat.

Ähnlich wie die Krankenkassen fordert auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz Qualitätsforderungen und Kontrollen für betreutes Wohnen. "Letztlich sei eine Pflege-WG nichts anderes als eine Privatwohnung - Leistungsanbieter haben es verstanden, diese Lücke zu füllen und teuer zu machen, ohne Qualität nachzuweisen", kritisierte Vorstand Eugen Brysch. Der Gesetzgeber könne dieses Treiben schnell unterbinden, indem Pflege-WGs rechtlich einem Pflegeheim gleichgestellt würden.


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