26.11.2019, 14:13 Uhr

Ellwangen (AFP) Prozess um drei Morde gegen Vater und zwei Söhne in Ellwangen gestartet

Landgericht Ellwangen. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Stefan Puchner (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Stefan Puchner)Landgericht Ellwangen. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Stefan Puchner (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Stefan Puchner)

Angeklagte sollen zwei Partner von Tochter und weiteren Mann getötet haben

Wegen dreifachen Mordes müssen sich seit Dienstag ein 55-jähriger Italiener und seine beiden Söhne vor dem Landgericht im baden-württembergischen Ellwangen verantworten. Der Vater soll drei Männer teils mit Hilfe seiner Söhne ermordet sowie ihre Leichen zerteilt und beseitigt haben. Bei den Opfern handelte es sich um den Schwiegersohn, den späteren Freund der Tochter sowie um einen Bekannten, von dem der Hauptangeklagte Alfonso eine Garage gemietet hatte. In der Pause des ersten Verhandlungstags wurde er aus dem Zuschauerraum heraus attackiert.

Die Anklage geht von zwei Morden aus Heimtücke und einem aus Habgier aus. Am ersten Prozesstag sagte der ältere Bruder Giovanni aus. In stockenden Worten berichtete der 33-Jährige davon, wie er selbst, sein Vater und sein Bruder im Jahr 2014 am Rande eines Familienabendessens zu Hause den Freund ihrer Tochter in eine Garage lockten, dort überwältigten und mit einem Seil erdrosselten.

Danach soll der Vater den Toten in einer Gefriertruhe gelagert, Tage später mit einer Kettensäge zerteilt, in Betonfässer eingegossen und Monate später beim Urlaub auf Sizilien entsorgt haben. Als Motiv gab Giovanni an, der Freund der Schwester sei gegenüber seiner Familie schwer gewalttätig gewesen sein.

Immer wieder beteuerte der Angeklagte in seiner Aussage, dass er die Tat heute bereue. Wegen seines Geständnisses stellte ihm das Gericht zu Beginn der Verhandlung Straferleichterung in Aussicht. Der jüngere Sohn Giacomo könnte mit einer Strafe wegen Beihilfe davonkommen, wie die Schwurgerichtskammer angab. Der 31-Jährige soll erst kurz vor der Tat dazu gekommen sein.

Über die erste Tat an dem muslimischen Schwiegersohn will Giovanni erst etwas erfahren haben, als er den Vater gefragt habe, ob auch Mustafa so gestorben sei. Diese Tat beging der Vater nach den Ermittlungen im Jahr 2008 allein.

Erst nach der dritten Tat gerieten die drei Männer ins Visier der Polizei. Die Beamten stießen im Juni bei der Suche nach dem 59-jährigen Opfer in Sontheim an der Brenz im Garten der Angeklagten auf Teile der Leiche des Manns, den sein Arbeitgeber zuvor als vermisst gemeldet hatte.

Bei dieser Tat, die der Vater und der ältere Sohn begangen haben sollen, war das Motiv offenbar Habgier. Laut Anlage sollen beide ihr Opfer gezwungen haben, die Geheimnummer seiner Bankkarte zu verraten sowie Verträge über eine Geldzahlung von 130.000 Euro zu unterschreiben, um damit bei den Erben an Geld zu gelangen. Danach hoben sie offenbar insgesamt 15.500 Euro vom Konto des Toten ab.

Der Fall schürte auch im Zuschauerraum Emotionen. Beim Abführen kam es am Mittag zu einer Attacke eines Zuschauers gegen den Hauptangeklagten. Er wurde von den Justizbeamten überwältigt und abgeführt. Das Landgericht setzte für den Prozess zehn Verhandlungstage an. Ein Urteil könnte noch vor Weihnachten fallen.


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