22.11.2019, 12:27 Uhr

Wien (AFP) Geheimer Goldschatz bringt österreichische FPÖ in Erklärungsnot

Goldbarren (Symbolbild). Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Armin Weigel (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Armin Weigel)Goldbarren (Symbolbild). Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Armin Weigel (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Armin Weigel)

Für Rechtspopulisten ist "alles ganz legal"

Der Fund mehrerer Goldbarren in einem von der rechtspopulistischen FPÖ genutzten Bauernhaus in Tirol bringt die skandalumwitterte Partei in Erklärungsnot. Die liberalen Neos forderten am späten Donnerstagnachmittag "Transparenz". Sie beantragten eine Sondersitzung des Wiener Landtags, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. "Dass sich Politiker vor dem Weltuntergang fürchten und für Krisenzeiten in Osttirol Gold lagern, ist genauso skurril wie hinterfragenswert", erklärten die Neos.

Das Wochenmagazin "Profil" hatte den heimlichen Goldbesitz der FPÖ aufgedeckt. Demnach fand die Polizei im Sommer in der Pension "Enzian" in dem bei Skifahrern und Wanderern beliebten Ort St. Jakob drei Kassetten mit Goldbarren. In dem ehemaligen Bauernhaus mit Blick auf die Tiroler Berge befindet sich ein "Bildungsinstitut" der FPÖ. Ihr geheimer "Goldschatz" sorgte für Schlagzeilen in österreichischen Zeitungen und Online-Netzwerken.

Welchen Wert das gefundene Gold hat, ist bislang nicht bekannt. Berichten zufolge hatten die Barren in den Kassetten ein Gewicht von je 500 Gramm. Jeder von ihnen hätte zum aktuellen Goldkurs einen Wert von mehr als 21.000 Euro.

Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp wies Vorwürfe zu einem möglichen Fehlverhalten seiner Partei zurück. "Hier ist alles ganz legal", sagte er. Die Partei habe das Gold während der Finanzkrise 2008 gekauft, um ihr Vermögen in wirtschaftlich turbulenten Zeiten zu schützen. Die Partei habe sich entschieden, die Barren privat zu verwahren, da Banken pleite gehen und dicht machen könnten.

Das Geld für den Ankauf stammte aus Parteivermögen, zitierte APA Nepp. "Ominöse Geldquellen" könne er ausschließen. Der Ankauf sei bei einer österreichischen Bank erfolgt und ordnungsgemäß in der Buchhaltung erfasst worden. Bestand und Verwahrung seien notariell beurkundet worden.

Zugriff hatten nur ausgewählte Personen, wie Nepp der APA weiter schilderte. Dies seien zunächst er selbst gewesen, der damalige Parteichef Heinz-Christian Strache, dessen Parteifreund Johann Gudenus und ein Buchhalter.

Nach den Rücktritten von Strache und Gudenus im Zuge der "Ibiza-Affäre" seien die Zugangscodes geändert worden. Nun werde das Gold in Wien verwahrt - "nicht in einer Bank", aber dennoch "sicher", zitierte die APA Nepp.

Zum Wert der Barren wollte sich der Wiener FPÖ-Chef nicht äußern. "Das ist ein Betriebsgeheimnis. Wir wollen unseren politischen Mitbewerbern nicht mitteilen, wie gut aufgestellt wir sind."

Die FPÖ wird immer wieder von Vorwürfen der illegalen Parteienfinanzierung umwittert. In einem 2015 erschienenen Buch über den langjährigen FPÖ-Chef Jörg Haider hatte ein früherer Vertrauter des Rechtspopulisten die Existenz einer schwarzen Kasse in Liechtenstein enthüllt. Das Geld sollte demnach zur Finanzierung von politischen Aktivitäten Haiders verwendet werden.

Im Mai setzte die "Ibiza-Affäre" um illegale Parteispenden der Beteiligung der FPÖ an der Regierung in Wien ein Ende. Der frühere Vizekanzler und FPÖ-Chef Strache zog sich aus der Politik zurück.


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