21.11.2019, 11:52 Uhr

Gütersloh (AFP) Pflege-Beiträge könnten Studie zufolge ohne Gegenmaßnahmen stark steigen

Pfleger hält Hand einer Heimbewohnerin. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Oliver Berg (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Oliver Berg)Pfleger hält Hand einer Heimbewohnerin. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Oliver Berg (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Oliver Berg)

Experten raten auch zu höherem Steuerzuschuss

Wenn die Jungen von heute künftig nicht unter hohen Pflegekosten leiden sollen, muss mit moderaten Beitragssteigerungen und einem höheren Bundeszuschuss gegengesteuert werden. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Einer weiteren Untersuchung zufolge beklagen viele Pflegekräfte in Deutschland die mangelnde Anerkennung ihres Berufs.

Angesichts der sich abzeichnenden Mehrausgaben in diesem Bereich reiche der heutige Pflegevorsorgefonds ebenso wenig aus wie eine von der Versicherungswirtschaft vorgeschlagene stärkere Privatvorsorge, hieß es in einem am Donnerstag in Gütersloh veröffentlichten Report der Stiftung. Nötig sei daher ein "Generationenausgleich" innerhalb des solidarischen Systems der Pflegeversicherung.

Die Bertelsmann-Stiftung favorisiert eine Kombination aus einer frühzeitigen "moderaten" Beitragssatzerhöhung und einem über die Jahre allmählich steigenden Bundeszuschuss zu dem bereits existierenden Pflegevorsorgefonds, um den steigenden Finanzbedarf der sozialen Pflegeversicherung zu decken.

Die Stiftung verwies dabei auf Prognoseberechnungen eines Wirtschaftsforschungsinstituts im eigenen Auftrag, wonach der Beitragssatz zur Pflegeversicherung von heute rund drei Prozent bis 2050 im ungünstigsten Szenario auf knapp unter fünf Prozent steigen könnte, sofern vorher kein ergänzender Lastenausgleich zwischen den Generationen erfolgt.

Ein Zuschuss aus allgemeinen Steuermitteln habe neben einer Entlastung der Beitragszahler außerdem den Vorteil, dass Besserverdienende mit Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze mit zur Finanzierung herangezogen würden, erklärte die Stiftung zu ihrer Analyse über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Finanzierungsoptionen. Aktuell sei diese Bevölkerungsgruppe oftmals privat versichert und "somit dem Solidarausgleich der sozialen Pflegeversicherung entzogen".

"Wir brauchen bei der Pflege einen neuen Generationenausgleich innerhalb des solidarischen Umlagesystems", erklärte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. "Auch an der Vorsorge müssen alle nach ihrer Leistungsfähigkeit beteiligt werden."

Knapp 40 Prozent aller Pflegekräfte sind der Ansicht, dass ihre Arbeit von der Gesellschaft nicht ausreichend anerkannt wird, heißt es nach Angaben der "Neuen Osnabrücker Zeitung" in einer aktuellen Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Fast jeder Vierte würde sich demnach nicht noch einmal für den Pflegeberuf entscheiden. Mehr als 26 Prozent der Kräfte wollen laut DRK zudem ihren Beruf nicht bis zur Rente weiterführen.

"Diese hohen Zahlen sind alarmierend", sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt der Zeitung. "Wir müssen alles tun, damit die Arbeitsbedingungen besser werden." Dazu gehöre auch eine bessere Bezahlung. Aber Geld sei nicht alles, die Zufriedenheit hänge auch von anderen Faktoren ab.

Erfreulich nannte es Hasselfeldt, dass die Befragten ihr Verhältnis zu den Pflegebedürftigen wie auch die Anerkennung durch deren Angehörige positiv einschätzen. "96 Prozent der Befragten bestätigten, sie bekämen von ihren Klienten viel zurück", hob die DRK-Präsidentin hervor. Die Analyse der Daten habe außerdem ergeben, dass die Unterstützung durch den jeweiligen Arbeitgeber vor allem in schwierigen Situationen einen "sehr starken Effekt auf das Arbeitsklima" habe.


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