21.11.2019, 12:55 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Prozess gegen mutmaßliche indische Spione in Frankfurt gestartet

Justitia. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Ina Fassbender (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Ina Fassbender)Justitia. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Ina Fassbender (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Ina Fassbender)

Ehepaar soll Oppositionelle für Geheimdienst ausgespäht haben

Vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt am Main hat am Donnerstag der Prozess gegen zwei mutmaßliche indische Spione begonnen. Die Anklage wirft einem Ehepaar vor, Informationen über Oppositionelle an den indischen Auslandsgeheimdienst weitergegeben zu haben. Der 50-Jährige Manmohan S. soll spätestens ab Januar 2015 in elf Fällen Informationen über die Sikh-Szene und die Kaschmir-Bewegung in Deutschland weitergegeben haben.

Beispielsweise soll er im April 2015 die Namen von 14 Oppositionellen übermittelt haben, die anlässlich eines Besuchs des indischen Premierministers Narendra Modi in Deutschlands gegen den Politiker demonstriert haben sollen. In einem anderen Fall habe er über einen Streit innerhalb einer Sikh-Gemeinde in Köln berichtet. Darüber hinaus habe er den Geheimdienst über die Haltungen verschiedener Sikh-Organisationen in Deutschland zur indischen Politik informiert.

Ab Juli 2017 soll sich auch seine Ehefrau, die 52-jährige Kanwal Jit K., in zwei Fällen beteiligt haben. Die Informationen sollen sie telefonisch oder bei monatlichen Treffen an als Konsuln getarnte Führungsoffiziere weitergegeben haben. Als Gegenleistung soll das Ehepaar einen Lohn von insgesamt mindestens 7200 Euro erhalten haben. Zu den Vorwürfen der Anklage äußerte sich das Ehepaar am Donnerstag nicht.

S. habe mit seiner Frau in Indien nahe der Grenze zu Pakistan gelebt, gab er am ersten Verhandlungstag an. Dort habe er sich politisch für die Belange der Religionsgemeinschaft der Sikh engagiert. Von den indischen Behörden sei er deswegen festgenommen worden und habe mehrere Monate im Gefängnis verbracht.

Da die Verhältnisse in Indien nach dem Mord an der damaligen Premierministerin Indira Gandhi durch zwei Sikh-Leibwächter 1984 und den darauf folgenden gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Sikh "hitzig" gewesen seien, habe S. den Entschluss gefasst, nach Deutschland zu gehen,erklärte die Verteidigung. Erst der zweite Asylantrag sei in einer Berufungsverhandlung erfolgreich gewesen.

1992 sei K. ihm mit ihrem ersten Sohn nach Deutschland gefolgt. Zwei Jahre lang sei K. in Deutschland als Textilhändlerin selbstständig gewesen, ihr Mann sei in dieser Zeit ihre Aushilfe gewesen. Das Geschäft habe sich nicht rentiert und sei 2005 geschlossen worden.

Während sich S. nach eigener Aussage in Deutschland noch einige Jahre politisch engagiert haben will, soll seine Frau nach Angaben ihres Verteidigers nie politisch aktiv gewesen. Bis Mitte Dezember sind in dem OLG-Staatsschutzverfahren noch sechs Verhandlungstermine angesetzt.


0 Kommentare