20.11.2019, 17:58 Uhr

Valletta (AFP) Maltesischer Unternehmer wegen Mordes an Journalistin Galizia festgenommen

Caruana Galizia wurde am 16. Oktober 2017 ermordet. Quelle: AFP/Archiv/Matthew Mirabelli (Foto: AFP/Archiv/Matthew Mirabelli)Caruana Galizia wurde am 16. Oktober 2017 ermordet. Quelle: AFP/Archiv/Matthew Mirabelli (Foto: AFP/Archiv/Matthew Mirabelli)

Yorgen Fenech auf seiner Jacht vor der Küste Maltas festgesetzt

Zwei Jahre nach dem Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia ist am Mittwoch ein maltesischer Geschäftsmann festgenommen worden. Yorgen Fenech sei im Morgengrauen auf seiner Jacht vor der Küste Maltas festgenommen worden, hieß es aus Polizeikreisen. Die Festnahme erfolgte einen Tag nach dem Angebot von Regierungschef Joseph Muscat, einen mutmaßlichen Mittelsmann zu begnadigen, sollte dieser gesicherte Informationen zum Drahtzieher des Mordes liefern.

"Im Rahmen unserer Ermittlungen zum Mord an Daphne Caruana Galizia haben wir einen Mann festgenommen", sagte ein ranghoher Polizeivertreter der Nachrichtenagentur AFP. "Er war zum Zeitpunkt der Festnahme auf seinem Boot." Fenech sei "eine Person von Interesse" in dem Fall.

Der Zugriff erfolgte demnach kurz nach 05.30 Uhr morgens auf Fenechs Jacht. Den Angaben zufolge hatte der Unternehmer versucht, Malta zu verlassen.

Fenech ist der Chef und Mitbesitzer des Energieunternehmens Electrogas. Die Firma hatte 2013 einen Vertrag über mehrere Millionen Euro vom maltesischen Staat für den Bau eines Gaskraftwerks erhalten. Er war auch Chef des Konzerns Tumas, der unter anderem das Hotel Hilton und ein Casino in der Stadt Portomaso betreibt. Aus Dokumenten, die AFP einsehen konnte, geht jedoch hervor, dass er diesen Posten in der vergangenen Woche zugunsten seines Bruders Franco aufgab.

Maltas Finanzaufklärungsbehörde (FIAU) identifizierte Fenech zudem als Besitzer der in Dubai ansässigen Firma 17 Black, über die Galizia vor ihrem Tod berichtet hatte. Der Journalistin zufolge stand die Firma in Beziehung zu maltesischen Politikern.

Die 53-jährige Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto getötet worden. Ihre Ermordung löste europaweit Erschütterung aus. Die Journalistin hatte regelmäßig über Korruption, Geldwäsche, Vetternwirtschaft und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet. In manche der Skandale waren auch Mitglieder der Regierung von Malta verwickelt, Vorwürfe gab es auch gegen Regierungschef Muscat und seine Familie.

Caruana Galizias Recherchen konzentrierten sich zum Großteil auf den "Panama Papers"-Skandal und auf die damit in Verbindung stehende Korruption auf höchster Ebene in Malta. Aus vor Gericht veröffentlichten E-Mails schien hervorzugehen, dass der damalige Energieminister Konrad Mizzi und der Büroleiter von Regierungschef Joseph Muscat, Keith Schembri, Firmen in Panama unterhielten, die Zahlungen von 17 Black erhalten haben sollen. Demnach soll es Zahlungen von tausenden Euro täglich für nicht näher genannte Dienste gegeben haben.

"Ein Kraftwerksbesitzer, dem Bestechung des Büroleiters des Regierungschefs und des Energieministers vorgeworfen wird, ist gerade im Zusammenhang mit dem Mord an meiner Mutter festgenommen worden", schrieb Caruana Galizias Sohn Andrew am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Es ist Zeit, dass Mizzi und Schembri zurücktreten und überwacht werden." Muscat habe "Blut an seinen Händen", weil er die beiden Politiker geschützt habe.

Muscat wies die Vorwürfe zurück. Es gebe keinerlei Hinweise dafür, dass Politiker in den Mordfall verwickelt seien. Zudem habe er dafür gesorgt, dass Fenech festgenommen werde, um dessen Flucht zu verhindern.

Gegen drei Männer, die den Anschlag auf die Journalistin ausgeführt haben sollen, laufen Mordermittlungen, jedoch war bislang immer noch unklar, wer hinter dem Auftragsmord steckt.

Im September hatte die maltesische Regierung eine unabhängige Untersuchung des Falls angeordnet, nachdem unter anderem die Angehörigen der ermordeten Journalistin Zweifel an der Unabhängigkeit der Ermittlungen geäußert hatten.

In der vergangenen Woche nahmen die maltesische Polizei und Interpol in dem Fall einen Mann fest, der angab, zu wissen, wer den Anschlag angeordnet hatte. Regierungschef Muscat stellte daraufhin in Aussicht, den mutmaßlichen Mittelsmann zu begnadigen, sollte dieser gesicherte Informationen zum Drahtzieher des Mordes liefern.


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