18.11.2019, 13:39 Uhr

Dessau (AFP) Verpackungsmüll mit 18,7 Millionen Tonnen auf neuem Höchststand

Wieder mehr Verpackungsmüll in Deutschland. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Kalaene (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Kalaene)Wieder mehr Verpackungsmüll in Deutschland. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Kalaene (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Kalaene)

Bei privaten Endverbrauchern Anstieg auf 107 Kilogramm pro Kopf und Jahr

Neuer Höchststand beim Verpackungsabfall: In Deutschland sind im Jahr 2017 insgesamt 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsmüll angefallen - drei Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Umweltbundesamt (UBA) am Montag in Dessau mitteilte. Pro Kopf und Jahr entsprach dies durchschnittlich 226,5 Kilogramm Verpackungsabfall. FDP und Grüne warfen der Bundesregierung Untätigkeit bei der Vermeidung von Verpackungsmüll vor.

Der Anteil von privaten Endverbrauchern machte mit 8,84 Millionen Tonnen 47 Prozent dieser Gesamtmenge aus, wie aus dem UBA-Bericht zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungen in Deutschland weiter hervorging. Damit stieg der Anteil der privaten Endverbraucher um 3,8 Prozent auf umgerechnet 107 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Die Zahlen beziehen sich auf 2017, laut Umweltministerium sind dies "die aktuellsten Zahlen, die uns vorliegen". Seit Anfang Januar gilt indes das neue Verpackungsgesetz. Es soll helfen, dass mehr Verpackungen eingesammelt und recycelt werden und wertvolle Ressourcen gar nicht erst zu Verpackungen verarbeitet werden.

"Wir verbrauchen viel zu viele Verpackungen", mahnte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. "Das ist schlecht für die Umwelt und für den Rohstoffverbrauch. Wir müssen Abfälle vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase."

Auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen sollte verzichtet werden, forderte Krautzberger. "Häufig sieht man aber das Gegenteil, und selbst die Zahnpastatube ist nochmal verpackt. Wir brauchen viel mehr Mehrweg, nicht nur bei Sprudel und Bier. Auch den Kaffee kann man im Mehrwegbecher mitnehmen, und wer sein Essen mitnimmt, sollte das auch in Mehrwegbehältern tun können."

Die Ursachen für den gestiegenen Verpackungsmüll sind vielfältig und reichen vom Wirtschaftswachstum, das mehr Produkte hervorbringt, über den Trend zu kleineren Portionen bis hin zum Verzehr außer Haus. Wichtig sei es generell, Mehrwegverpackungen zu benutzen, mahnte das UBA.

Beim Recycling kommt Deutschland laut UBA weiterhin auf gute Werte. Vom gesamten Verpackungsabfall gingen knapp 70 Prozent ins Recycling, der Rest wurde größtenteils energetisch verwertet. "Trotz der guten Recyclingquote müssen wir das Recycling und den Rezyklateinsatz weiter stärken, um Ressourcen zu schonen", betonte Krautzberger.

Die Recyclingquote zeigt bei den unterschiedlichen Verpackungen zudem starke Schwankungen. Vergleichsweise hoch ist sie bei Glas mit 84,4 Prozent, Papier und Karton mit 87,6 Prozent und Stahl mit 92,2 Prozent. Bei Kunststoffen (49,7 Prozent) und Holz (25,8 Prozent) ist den Experten zufolge aber noch viel Recyclingpotenzial vorhanden.

Kunststoffverpackungen sind unter anderem wegen der Materialvielfalt schwierig zu sortieren und zu recyceln, wie das UBA weiter erklärte. Auch sei die Verpackung selten auf optimales Recycling ausgelegt. Zudem gebe es zu viele Verpackungen mit unterschiedlichen Materialien oder mit Verbundkunststoffen. 2017 wurden demnach prozentual genauso viele Kunststoffverpackungen wie im Vorjahr recycelt, die etwa gleiche Menge wurde energetisch verwertet.

Die FDP-Umweltpolitikerin Judith Skudelny warf der Politik vor, der Verpackungsindustrie hinterherzuhinken, die bereits ressourcenschonende Verpackungen entwickle. Nötig sei eine Gesamtstrategie; das Umweltministerium müsse in der EU dafür sorgen, dass auf europäischer Ebene die Qualitätssicherung beim Rezyklateeinsatz standardisiert werde, sagte sie AFP.

Auch die Grünen sprachen vom "klimapolitischen Versagen der Bundesregierung" - sie dürfe die Kreislaufwirtschaft als Bestandteil ihrer Klimapolitik nicht weiter vernachlässigen, erklärte die Umweltexpertin Bettina Hoffmann. Bislang gebe es nur "kosmetische Maßnahmen" wie das Plastiktütenverbot. Vielmehr müsse das Ziel gesetzlich verankert werden, das Aufkommen an Verpackungsmüll bis 2030 auf 110 Kilogramm pro Kopf zu senken.


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