09.11.2019, 11:07 Uhr

Augsburg (AFP) Scheidender BUND-Chef nennt Merkels Klimapolitik "mehr als enttäuschend"

Weiger: "Klimakrise wird immer dramatischer"

Zum Ende seiner zwölf Jahre langen Amtszeit hat der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, die Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf kritisiert. "Letztendlich gilt auch für Frau Merkel, dass sie sich am Ergebnis messen lassen muss und das ist in Sachen Klimaschutz mehr als enttäuschend", sagte Weiger der "Augsburger Allgemeinen" vom Samstag. Die Klimakrise sei nicht gestoppt, "sie wird immer dramatischer".

"Wir haben viele Entwicklungen, die für die Menschen die Umweltkrise zunehmend sichtbar und erfahrbar machen", sagte Weiger der Zeitung. "Wir sehen das am Waldsterben, aufgrund der Trockenheit und der maximalen Hitzetage im Sommerhalbjahr. Wir sehen es an den ausgetrockneten Flüssen, an den sinkenden Grundwasserständen, an den Ernteverlusten der Landwirtschaft sowie an den Hitzetoten in den Großstädten."

Weiger warnte vor einem weitreichenden Artensterben: "Wir haben sogar den Rückgang bei Allerweltsarten – wie beispielsweise der Goldammer oder der Feldlerche." Vogelarten, die sonst flächendeckend vorhanden gewesen seien. Das Zentrum des Hausspatzen sei inzwischen Berlin und es seien nicht mehr die Dörfer in Deutschland. "Das muss man sich einmal vorstellen."

Weiger appellierte an die Bürger sich stärker zu engagieren: „Wir brauchen mehr politischen Druck", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Auch der Staat sei gefragt, die Zeit der Freiwilligkeit sei vorbei. "Wir brauchen mehr klare staatliche Vorgaben mit klaren Zielen, die auch zu finanziellen Konsequenzen bei Nichteinhalten führen müssen", forderte er.

Der 72-Jährige kandidiert am Samstag auf der BUND-Jahreshauptversammlung in Nürnberg nicht mehr für sein Amt.


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