08.11.2019, 12:44 Uhr

Wiesbaden (AFP) Deutsche Exporte im September um 4,6 Prozent gestiegen

Containerschiff in Bremerhaven. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Mohssen Assanimoghaddam (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Mohssen Assanimoghaddam)Containerschiff in Bremerhaven. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Mohssen Assanimoghaddam (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Mohssen Assanimoghaddam)

Wirtschaft sieht "kleinen Lichtblick" - aber keinen Grund für Entwarnung

Die deutschen Exporte haben zuletzt wieder deutlich zugelegt: Im September wurden Waren im Wert von 114,2 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert, das war ein Plus von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Auch die Importe legten zu - und zwar um 2,3 Prozent auf einen Umfang von 93 Milliarden Euro.

Die Ausfuhren in die EU-Länder legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,6 Prozent zu, wie die Statistiker mitteilten. In Drittländer wurden Waren im Wert von 45,7 Milliarden Euro exportiert, ein Zuwachs gegenüber September 2018 um 3,2 Prozent.

Der Anstieg der Exporte im September sei "ein kleiner Lichtblick", erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Es gebe aber "bei weitem" keinen Grund für Euphorie im Außenhandel. Der weltweit zunehmende Protektionismus und eine schwächelnde Weltwirtschaft belasteten weiterhin die exportstarke deutsche Wirtschaft. "Für dieses Jahr können wir froh sein, wenn wir am Ende mit einer schwachen Null aus dem Jahr gehen", sagte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Kevin Heidenreich.

Auch der Außenhandelsverband BGA erklärte, die positive Entwicklung der Septemberzahlen sei "kein Grund zur Entwarnung und auch noch keine Trendwende". Die Reihe der monatlich heftigen Ausschläge nach oben und unten setze sich hiermit lediglich weiter fort.

So waren die Exporte in den Monaten Januar bis März im Jahresvergleich gestiegen, im April leicht geschrumpft, im Mai wieder gewachsen, im Juni stark zurückgegangen. Im Juli legten sie wieder zu, im August stand wieder ein Minus vor der Entwicklung.

Im Vergleich zum Vormonat August legten die Exporte laut Statistik im September kalender- und saisonbereinigt um 1,5 Prozent zu. Bei den Importen betrug das Plus demnach 1,3 Prozent.

Grund für die Skepsis der Wirtschaftsverbände sind die US-Handelskonflikte mit Europa und China sowie die weiterhin unklare Gestaltung des Brexit. BGA-Präsident Holger Bingmann erklärte, die derzeitigen Signale aus den USA und China stimmten ihn optimistisch. "Sollten die beiden Seiten aufeinander zugehen und Zölle sowie ihre Streitigkeiten zurückfahren, wäre das ein richtiger Hoffnungsschimmer und ein lang ersehntes Signal."

Beide Wirtschaftsverbände mahnten Reformen der Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland an. BGA-Chef Bingmann betonte den "immensen Bedarf" an Modernisierung im Steuersystem und bei der Entbürokratisierung. DIHK-Experte Heidenreich forderte "Investitionen in kluge Köpfe und eine moderne Infrastruktur".


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