07.11.2019, 10:40 Uhr

Düsseldorf (AFP) Medien: Doch keine Gehaltserhöhung für Bahnvorstände

Sitz der Deutschen Bahn in Berlin. Quelle: AFP/John MACDOUGALL (Foto: AFP/John MACDOUGALL)Sitz der Deutschen Bahn in Berlin. Quelle: AFP/John MACDOUGALL (Foto: AFP/John MACDOUGALL)

Lokführergewerkschaft kritisiert vor Aufsichtsratssitzung Zustand des Konzerns

Gehaltserhöhungen für den Vorstand bei der Deutschen Bahn sind offenbar vorerst vom Tisch. Wie der Hessische Rundfunk und die "Rheinische Post" berichteten, steht eine Anhebung der Vorstandsgehälter um 33 Prozent nicht mehr auf der Tagesordnung für die Sitzung des Aufsichtsrates am Donnerstag. In der Summe hätten die Anhebungen insgesamt anderthalb Millionen Euro ausgemacht.

Der geplante Anstieg der Managergehälter hatte in der Öffentlichkeit Empörung ausgelöst, nachdem am Wochenende bekannt geworden war, dass für Teile des sechsköpfigen Bahn-Vorstandes das Gehalt von 400.000 Euro auf 585.000 Euro pro Jahr steigen soll. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte gegen die Pläne Stellung bezogen und von einem falschen Signal gesprochen.

Wie der Sender HR-Info unter Berufung auf ein Mitglied des Aufsichtsrates berichtete, nahm das Kontrollgremium den umstrittenen Punkt nun von der Tagesordnung. Die "Rheinische Post" berichtete dies am Donnerstag unter Berufung auf Kreise des Bahnmanagements.

Noch nicht überstanden ist für die Bahnführung indes auch die Affäre rund um Beraterverträge. In den Jahren 2008 bis 2018 hatte der Konzern ehemaligen Managern Beraterverträge in Millionenhöhe zugeschanzt.

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, warnte in der "Augsburger Allgemeinen" vom Donnerstag vor einem lähmenden Führungschaos bei dem bundeseigenen Konzern und kritisierte die Rolle von Vorstandschef Richard Lutz. "Der Bahnchef wird durch die Berateraffäre gelähmt, da kennen wir bislang nur die Spitze des Eisbergs", sagte er der Zeitung. In der Affäre seien viele Fragen unbeantwortet.

Weselsky kritisierte zudem den Zustand der Bahn. "Es sind ja nicht nur die schlechten Zahlen, es ist das tägliche Erleben von Hunderttausenden Reisenden", sagte er. "Es werden Milliarden versenkt wegen ineffizienter Strukturen", fügte er hinzu. "Wir haben zu viele Häuptlinge und viel zu wenig Indianer."

Bereits am Mittwoch hatte das "Handelsblatt" berichtet, der Gewinn der Bahn werde in diesem Jahr stark zurückgehen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern liege per Ende September mit 669 Millionen Euro für die Kernbereiche der Bahn um knapp 30 Prozent unter dem Wert des Vorjahres, schrieb die Zeitung unter Berufung auf einen Zwischenbericht, den der Vorstand nun dem Aufsichtsrat vorlegen werde.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, dass die angeschlagene Bahngütertochter DB Cargo ihren Verlust im laufenden Jahr deutlich ausweitet. Die Tochter steuert demnach 2019 auf einen Verlust von 300 Millionen Euro zu - im vergangenen Jahr habe dieser noch bei 190 Millionen Euro gelegen. Damit gerate Güterverkehrs- und Finanzvorstand Alexander Doll immer stärker in Bedrängnis, schrieb die Zeitung. Nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen befürworteten demnach mehrere Kontrolleure die Ablösung als Bahnvorstand.


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