04.11.2019, 13:05 Uhr

London (AFP) Favorit für Amt des Parlamentspräsidenten sieht sich als "Schiedsrichter"

Lindsay Hoyle (l.), Harriet Harman. Quelle: PRU/AFP/PRU (Foto: PRU/AFP/PRU)Lindsay Hoyle (l.), Harriet Harman. Quelle: PRU/AFP/PRU (Foto: PRU/AFP/PRU)

Achter Bewerber für Posten im britischen Unterhaus gibt bereits vor Wahl auf

Sieben Kandidaten, fünf Minuten Redezeit, und ein auf Händen getragener Sieger: In London waren am Montag alle Blicke auf das Parlament gerichtet, wo am Nachmittag (ab 15.30 Uhr) der neue "Speaker" des Unterhauses gewählt wird. Der als Favorit gehandelte Lindsay Hoyle sagte in einem Interview, er sehe die Aufgabe des Amtes vor allem in der Rolle eines "Schiedsrichters". Ein achter Bewerber um den Posten gab kurz vor der Wahl auf.

Der Zeitung "Sunday Times" sagte der 62-jährige Hoyle, er wolle die aufgeheizte Stimmung im Parlament beruhigen - vor allem während der nächsten Brexit-Debatten. Insgesamt waren noch vier Frauen und drei Männer im Rennen um die Nachfolge von John Bercow. Der Kandidat Shailesh Vara zog seine Bewerbung am Montag wenige Stunden vor der Wahl zurück.

Der 56-jährige Bercow hatte den Posten des Parlamentspräsidenten zehn Jahre inne, Hoyle war genauso lange dessen Stellvertreter. Im Gegensatz zum lebhaften und wortgewaltigen Bercow, der das Amt mit seinen durchdringenden "Order"-Rufen prägte, betonte Hoyle im Interview, dass "die Menschen sich nicht an den Schiedsrichter erinnern wollen, sondern an das Spiel".

Hoyles stärkste Konkurrentin ist die Labour-Abgeordnete Harriet Harman. Auch die ehemalige Justizministerin setzt auf einen besänftigenden Stil. "Wir müssen aufeinander hören, anstatt uns gegenseitig anzuschreien", sagte die 69-Jährige der "Sunday Times". Am Montagnachmittag hat jeder der Bewerber fünf Minuten Zeit, um die Parlamentarier zu überzeugen.

Der neue Parlamentspräsident braucht die absolute Mehrheit, um ins Amt gewählt zu werden. Es kann mehrere Runden geben. Die Kandidaten, die unter fünf Prozent der Stimmen erhalten, fallen aus dem Rennen, bis am Ende ein Sieger feststeht. Dieser wird dann - wortwörtlich - auf Händen von zwei Abgeordneten zu seinem Stuhl getragen.

Die Wahl des Parlamentspräsidenten erfolgt nach jeder Parlamentswahl oder nach dem Ausscheiden des Amtsträgers. Mit seinem eigenwilligen Stil stand Bercow mehr als drei Jahre lang im Zentrum der äußerst emotional geführten Parlamentsdebatten rund um den Brexit. Seine legendär gewordenen "Order"-Rufe, mit denen er die Abgeordneten zur Ruhe ermahnte, hallten mehr als 14.000 Mal durch das Londoner Unterhaus.


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