03.11.2019, 13:03 Uhr

Dhahran (AFP) Profitabelstes Unternehmen der Welt geht an die Börse


Saudiarabischer Ölkonzern Aramco setzt Pläne nach mehrfachem Aufschub um

Das größte und wertvollste Unternehmen der Welt, der saudiarabische Ölkonzern Aramco, hat den seit langem erwarteten Börsengang angekündigt. "Der heutige Tag stellt einen historischen Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens dar", sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Jassir al-Rumaijan am Sonntag am Firmensitz in Dhahran. Anders als zunächst angenommen ist vorerst aber nur ein Börsendebüt an der Tadawul-Wertpapierbörse in Riad geplant, kein internationaler Börsenstart.

Die Kapitalmarktbehörde des Golfstaates genehmigte den schon lange geplanten Börsengang des Konzerns am Sonntag. Aramcos Antrag, Aktien auszugeben, werde stattgegeben, teilte die Aufsichtsbehörde auf ihrer Website mit. Erstmals dürften die Aktien Mitte Dezember gehandelt werden.

Der Börsengang ist Teil eines wirtschaftlichen Reformprogramms, das Saudi-Arabien unter anderem unabhängiger vom Öl machen soll. Es handle sich um einen "wichtigen Fortschritt" bei der Umsetzung des Programms Saudi Vision 2030, mit dem das Königreich sich langfristig wirtschaftlich breiter aufstellen und wachsen will, sagte al-Rumaijan.

Der Börsengang stellt den Dreh- und Angelpunkt der ambitionierten Pläne von Kronprinz Mohammed bin Salman dar, die vom Öl abhängige Wirtschaft zu reformieren. Für die Finanzierung von Megaprojekten und neuer Industrien sind Milliarden an Dollar notwendig.

Der Börsengang war bereits 2016 angekündigt, dann aber immer wieder verschoben worden - offenbar wegen Prinz Mohammeds Unzufriedenheit mit dem Schätzwert des größten und wertvollsten Erdölkonzerns der Welt. Die Regierung hofft auf eine Bewertung von zwei Billionen Dollar.

Analysten warnen aber, der Börsenwert werde niedriger ausfallen, und rechnen mit einem Wert zwischen 1,6 und 1,7 Billionen Dollar. Sollte sich das bestätigen, würde das bedeuten, dass sich die saudiarabische Führung auf einen Kompromiss einlässt. Es bleibe abzuwarten, ob die saudiarabischen Behörden in der Lage sein werden, "einen Kompromiss zwischen den Präferenzen des Kronprinzen und den Marktrealitäten" zu finden, sagte Kristian Ulrichsen vom Baker Institute an der Rice-Universität in den USA der Nachrichtenagentur AFP.

Ursprünglich war erwartet worden, dass Aramco einen Anteil von fünf Prozent an der Börse verkaufen will. Zwei Prozent sollten in einem ersten Schritt an der Tadawul-Börse, drei Prozent in einem zweiten Schritt an einer Börse im Ausland verkauft werden.

Al-Rumaijan schloss dieses Szenario am Sonntag jedoch vorerst aus. "Jetzt ist es erstmal nur Tadawul, was den internationalen Teil angeht, werden wir beizeiten informieren", sagte er in Dhahran. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach es Schwierigkeiten gab, große internationale Investoren an Bord zu holen. Bei Investoren im Ausland stieß der Konzern etwa auf Skepsis hinsichtlich Transparenz, Unternehmensführung und des angepeilten Schätzwertes.

Der staatliche Konzern Arabian American Oil Company, der seine Ursprünge in einem Lizenzvertrag mit der Standard Oil Company of California im Jahr 1933 hat, ist zuständig für fast alle Ölvorkommen im Wüstenstaat. Er fördert mehrere Millionen Barrel Öl täglich und kommt für rund zehn Prozent des weltweiten Öls auf. Das Unternehmen ist das profitabelste der Welt, gilt als Kronjuwel des Königreichs am Golf und das Rückgrat seiner wirtschaftlichen und sozialen Stabilität.

Der Konzern hatte sich erst im April erstmals in die Bücher schauen lassen und dabei astronomische Gewinne enthüllt. Demnach summierte sich der Nettogewinn im vergangenen Jahr auf 111,1 Milliarden Dollar - mehr als der von Apple, Google und Exxon Mobil zusammen.

Saudi-Arabien hatte versucht, mögliche Investoren zum lange erwarteten Börsenstart anzuwerben, indem mit jährlichen Dividenden von 75 Milliarden Dollar geworben wurde, wie es auf der Firmenwebseite hieß. Überdies soll Riad versuchen, reiche saudiarabische Familien dazu zu bringen, Aktien des Unternehmens zu kaufen - einige Kommentatoren sprachen diesbezüglich von einer patriotischen Pflicht.


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