31.10.2019, 13:43 Uhr

Rahim Yar Khan (AFP) Mehr als 70 Tote bei Feuer in Zug in Pakistan

Rauchwolken über dem Unglücksort. Quelle: Pakistan's Punjab Emergency Service Rescue 1122/AFP/Handout (Foto: Pakistan's Punjab Emergency Service Rescue 1122/AFP/Handout)Rauchwolken über dem Unglücksort. Quelle: Pakistan's Punjab Emergency Service Rescue 1122/AFP/Handout (Foto: Pakistan's Punjab Emergency Service Rescue 1122/AFP/Handout)

Bei Reise zahlreicher Pilger explodierte Gaskocher

Bei einem Brand in einem mit zahlreichen Pilgern besetzten Zug in Pakistan sind am Donnerstag mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Einige Fahrgäste seien gestorben, als sie wegen der Flammen aus dem fahrenden Zug gesprungen seien, teilten Rettungskräfte mit. Das Feuer war in der zentralpakistanischen Provinz Punjab durch die Explosion zweier Gaskartuschen verursacht worden, die in dem Zug verbotenerweise zum Kochen verwendet worden waren.

Nach dem jüngsten Stand seien mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen, sagte Eisenbahnminister Sheikh Rasheed Ahmed. Die meisten Opfer stammten demnach aus den südpakistanischen Städten Mirpur Khas, Hyderabad, Nawab Shah und Karachi. Ein Vertreter der Rettungsdienste des Bezirks hatte zuvor von 73 Todesopfern und mehr als 40 Verletzten gesprochen.

Muhammad Nadeem Zia, hochrangiger Vertreter des Krankenhauses in der nächstgelegenen Stadt Liaquatpur, sagte der Nachrichtenagentur AFP, einige der Opfer hätten sich beim Sprung aus dem Zug tödliche Kopfverletzungen zugezogen. Nach Angaben der Behörden verbrannten mehrere Todesopfer bis zur Unkenntlichkeit.

Auf Fernsehbildern waren Flammen zu sehen, die aus drei Waggons des Zuges schlugen. Es waren weinende Menschen zu hören. Die Feuerwehr, Rettungskräfte und Soldaten waren am Unglücksort im Einsatz.

"Eine Kartusche explodierte und ich weiß nicht wie, überall brach Feuer aus", schilderte der Überlebende Muhammed Imran, der in Rahim Yar Khan im Krankenhaus behandelt wurde, der Nachrichtenagentur AFP. "Ich bin aus dem Zug gesprungen, um mein Leben zu retten. Hinter mir war eine Schlange von Leuten, die drängelten."

Laut Ali Nawaz von der pakistanischen Bahngesellschaft bot jeder der in Brand geratenen Waggons Platz für 88 Fahrgäste. Bei den meisten Todesopfern handelte es sich demnach um Pilger, die zum muslimischen Fest Tablighi Ijtema in Raiwind in der Nähe der ostpakistanischen Stadt Lahore reisen wollten. Zu der dreitägigen religiösen Veranstaltung werden in diesem Jahr nach Angaben der Organisatoren bis zu 500.000 Teilnehmer aus ganz Pakistan erwartet.

Bahn-Vertreter Nawaz führte aus, das Feuer sei durch die Explosion von zwei Gaskartuschen ausgelöst worden, die Fahrgäste verbotenerweise zum Kochen mitgebracht hätten. Die Flammen breiteten sich auf zwei Waggons der zweiten Klasse und einen der ersten Klasse aus.

Bahnminister Ahmed sagte, er erkenne "unseren Fehler an, die Pilger nicht am Mitnehmen von Kochern und Gasflaschen gehindert zu haben". Bislang sei diese Ausnahme bei der Pilgerfahrt gemacht worden, dies werde sich aber nicht wiederholen. Zuvor hatte Menschenrechtsministerin Shireen Mazari im Online-Dienst Twitter geschrieben: "Die Tragödie hätte verhindert werden können."

Der pakistanische Regierungschef Imran Khan erklärte, er sei "zutiefst traurig über die schreckliche Tragödie". Er habe eine "sofortige Untersuchung" der Unglücksursache veranlasst, die schnell Ergebnisse liefern solle.

Zugunglücke sind in Pakistan keine Seltenheit. Das Schienennetz wird angesichts von Korruption, Misswirtschaft und fehlender Investitionen seit Jahrzehnten vernachlässigt.

Im Juli waren im selben Bezirk mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen, als ein Personenzug einen Güterzug rammte, der an einem Bahnübergang stand. An den Bahnübergängen fehlt es oft an Schranken und Signalsystemen.


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