29.10.2019, 19:08 Uhr

Beirut (AFP) Kurdenmiliz vollständig aus Nordsyrien abgezogen

Türkische Soldaten am Montag nahe der Stadt Ras al-Ain in Nordsyrien. Quelle: AFP/Nazeer Al-khatib (Foto: AFP/Nazeer Al-khatib)Türkische Soldaten am Montag nahe der Stadt Ras al-Ain in Nordsyrien. Quelle: AFP/Nazeer Al-khatib (Foto: AFP/Nazeer Al-khatib)

Aktivisten: Erstmals Gefechte zwischen türkischer Armee und Assad-Truppen

Die kurdischen Kämpfer haben sich komplett aus dem türkischen Grenzgebiet in Nordsyrien zurückgezogen. Der Abzug wurde nach Angaben Russlands noch vor Ablauf einer Frist am Dienstagabend abgeschlossen. Die Türkei kündigte den Beginn der gemeinsamen Patrouillen mit Russland an. Kurz zuvor hatten sich die türkische Armee und syrische Regierungstruppen Aktivisten zufolge erstmals direkte Gefechte in der Region geliefert. Dabei seien sechs syrische Soldaten getötet worden.

Die Türkei hatte am 9. Oktober eine Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) begonnen, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zu den kurdischen PKK-Rebellen in der Türkei als Bedrohung sieht. Nach acht Tagen stimmte die Türkei in Verhandlungen mit den USA einer Waffenruhe zu, um den Abzug der YPG-Kämpfer zu erlauben. Später vereinbarte Ankara mit Russland eine Verlängerung der Feuerpause, die am Dienstagabend auslief.

Noch vor Ablauf der Waffenruhe verkündete Moskau den vollständigen Abzug der Kurdenmiliz. "Der Abzug der bewaffneten Einheiten aus dem Gebiet, auf dem ein Sicherheitskorridor geschaffen werden soll, wurde vorzeitig abgeschlossen", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu laut russischen Nachrichtenagenturen.

Insgesamt seien 68 Einheiten der kurdischen Kräfte mit zusammen 34.000 Kämpfern abgezogen, erklärte der Leiter des russischen Zentrums für die Wiederversöhnung der Kriegsparteien in Syrien, Juri Borenkow. Zudem erklärte er, die syrische Armee habe 84 Grenzposten entlang der Grenze mit der Türkei aufgebaut.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, Russland habe ihn über den Abzug der "Terrorgruppen" in Kenntnis gesetzt. Erdogan hat gedroht, die Offensive wiederaufzunehmen, wenn sich die YPG nicht vollständig zurückzieht.

Kurz vor Ablauf einer Waffenruhe hatten sich nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London türkische und syrische Regierungstruppen erstmals direkte Gefechte in der nordsyrischen Grenzregion geliefert. Demnach wurden fünf syrische Soldaten durch türkischen Artilleriebeschuss in der Nähe des Dorfes al-Assadija südlich der Grenzstadt Ras al-Ain getötet. Ein Sechster sei im Zuge des Gefechts von protürkischen Milizen "hingerichtet" worden.

Angesichts der türkischen Offensive und des Abzugs der US-Truppen hatte die Verwaltung der kurdischen Autonomieregion keinen Ausweg gesehen, als die syrische Armee zu Hilfe zu rufen. Machthaber Baschar al-Assad entsandte daraufhin Mitte Oktober zwar Truppen an die türkische Grenze, doch vermieden beide Seiten bislang eine Konfrontation.

Nach Ablauf der Frist kündigte die Türkei den Beginn der gemeinsamen Patrouillen mit Russland an. Der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, mit den gemeinsamen Patrouillen solle sichergestellt werden, dass tatsächlich alle "Terroristen" aus der "Sicherheitszone" abgezogen seien.

Gemäß der Vereinbarung Erdogans mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin behält die Türkei die direkte Kontrolle über einen 120 Kilometer langen und 30 Kilometer breiten Grenzabschnitt zwischen Ras al-Ain und Tal Abjad, den sie erobert hat. Das Grenzgebiet östlich und westlich davon soll nach dem Abzug der YPG von der russischen Militärpolizei und der syrischen Armee kontrolliert werden.


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