27.10.2019, 13:37 Uhr

Healdsburg (AFP) Kaliforniens Behörden bekommen Waldbrände wegen heftiger Winde kaum in den Griff

Regelrechte Flammen-Explosion in einem Weingut
. Quelle: AFP/Josh Edelson (Foto: AFP/Josh Edelson)Regelrechte Flammen-Explosion in einem Weingut . Quelle: AFP/Josh Edelson (Foto: AFP/Josh Edelson)

Zehntausende müssen erneut flüchten - Hunderttausenden droht Stromabschaltung

Angesichts der verheerenden Waldbrände in Kalifornien haben die Behörden am Sonntag zehntausende weitere Menschen angewiesen, ihre Häuser zu verlassen. Die Zwangsevakuierungen betrafen die nördlich von San Francisco gelegene Weinbauregion Sonoma, wo bereits am Samstag 90.000 Bewohner vor den Flammen geflüchtet waren. Wegen der großen Brandgefahr kam es zu massiven Stromabschaltungen, bis zu zwei Millionen Menschen könnten betroffen sein.

In Kalifornien wüten derzeit mehrere Waldbrände, die durch Hitze, Trockenheit und die berühmten Santa-Ana-Winde angefacht werden. Besondere Sorge bereitet den Behörden die Lage in Sonoma, wo seit Mittwoch das Kincade-Feuer wütet.

Mehr als 2800 Feuerwehrleute und rund 20 Löschflugzeuge waren am Samstag allein in Sonoma im Einsatz. Die Brände erstreckten sich dort nach Angaben der Behörden auf einer Fläche von mehr als 10.000 Hektar und waren nur zu zehn Prozent unter Kontrolle. Fast 80 Gebäude seien bereits zerstört worden, zehntausende seien von den Flammen bedroht.

Die Meteorologen warnten vor weiteren ungewöhnlich heftigen und anhaltenden Winden. Daraufhin wurde am Sonntagmorgen der Großteil der 180.000 Einwohner von Santa Rosa aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Dem US-Wetterdienst zufolge könnten die Böen Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern erreichen und bis Montag anhalten. Stärke und Dauer der Böen seien "möglicherweise historisch und extrem", sagte Wetterexperte David King der "Los Angeles Times".

Kaliforniens größter Energieversorger PG&E (Pacific Gas & Electric) kündigte an, rund 940.000 Kunden Strom und Gas abzuschalten. Medienberichten zufolge betrifft dies insgesamt zwei Millionen Menschen. PG&E hatte bereits 180.000 Kunden in Nordkalifornien vorübergehend den Strom abgedreht, um Hochspannungsleitungen zu überprüfen und Funkenflug zu verhindern.

Im vergangenen November hatten marode, beschädigte Stromleitungen von PG&E den verheerendsten Waldbrand in Kaliforniens Geschichte ausgelöst. Damals fielen insgesamt 86 Menschen den tödlichen Feuerwalzen zum Opfer. PG&E hat bereits vor Monaten Insolvenz angemeldet.

Ein Vorfall an einer Hochspannungsleitung des Energieversorgers könnte auch Auslöser des Kincade-Feuers im Bezirk Sonoma sein. Gouverneur Gavin Newsom warf dem Unternehmen vor, seinen Profit "zu lange" über die Interessen der Menschen in Kalifornien gestellt zu haben. Dafür müsse es zur Rechenschaft gezogen werden.

Weitgehend Entwarnung gaben die Behörden unterdessen für den Süden des Bundesstaates. Rund 50.000 Menschen, die wegen des Tick-Feuers ihre Häuser rund um Santa Clara bei Los Angeles verlassen mussten, konnten am Wochenende wieder zurückkehren. Wegen der Brände in dem dicht besiedelten Gebiet waren zuvor alle Schulen sowie eine Autobahn geschlossen worden.

Auch im benachbarten mexikanischen Bundesstaat Baja California wüteten mehrere Brände. Nach Angaben des Zivilschutzes kamen drei Menschen ums Leben, mehr als 150 Häuser wurden zerstört. Am schlimmsten betroffen war demnach der Grenzort Tecate.


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