27.10.2019, 10:32 Uhr

Barischa (AFP) US-Medien: IS-Anführer al-Bagdadi vermutlich bei US-Angriff in Syrien getötet


Kurdenmiliz spricht von "historischer Operation"

Der Anführer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, ist US-Medienberichten zufolge vermutlich bei einem nächtlichen US-Angriff in Syrien getötet worden. Wie US-Medien am Sonntag unter Berufung auf mehrere Regierungsvertreter berichteten, war al-Bagdadi kurz nach Mitternacht das Ziel eines US-Militäreinsatzes in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens. Er soll demnach eine Sprengstoffweste gezündet haben, als die US-Spezialkräfte angriffen.

Der US-Nachrichtensender CNN berichtete, es seien bereits Tests angelaufen, um den Tod al-Bagdadis formell bestätigen zu können. US-Präsident Donald Trump twitterte nach Mitternacht: "Gerade ist etwas sehr Wichtiges passiert!" Der Vizesprecher des Weißen Hauses, Hogan Gidley, kündigte für Sonntagmorgen 09.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 Uhr MEZ) eine "sehr wichtige" Ansprache Trumps an.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete über einen Angriff von acht Hubschraubern am Rande des Dorfes Barischa, der sich gegen Dschihadisten gerichtet habe. Der Angriff zielte demnach auf ein Wohngebäude und ein Fahrzeug. Insgesamt seien neun Menschen getötet worden, darunter ein Kind und zwei Frauen, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Der Angriff galt demnach "hochrangigen Anführern des IS".

Die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) begrüßten die "historische Operation" und sprachen von einem "gelungenen Einsatz", der auf eine "gemeinsame Geheimdienst-Arbeit" der Kurden mit den USA zurückgehe. Allerdings bestätigte SDF-Kommandeur Maslum Abdi den Tod al-Bagdadis nicht explizit.

Auch das türkische Verteidigungsministerium erklärte, dass es vor dem Einsatz eine "Koordination" mit dem US-Militär gegeben habe.

Über den Aufenthaltsort al-Bagdadis wurde seit Jahren gerätselt. In der Öffentlichkeit trat der IS-Anführer nur einmal auf, als er im Juli 2014 in einer Moschee im nordirakischen Mossul ein "Kalifat" in Syrien und im Irak ausrief. Das US-Außenministerium hatte für Hinweise auf al-Bagdadis Aufenthaltsort eine Prämie von 25 Millionen Dollar (rund 22,5 Millionen Euro) ausgesetzt.

Das US-Außenministerium machte den IS unter al-Bagdadi für den Tod tausender Zivilisten im Nahen Osten verantwortlich, außerdem für die Ermordung zahlreicher Geiseln aus Japan, Großbritannien und den USA. Zeitweise dehnte sich das "Kalifat" auf ein Gebiet aus, in dem mehrere Millionen Menschen lebten. Sie waren einer fundamentalistischen Auslegung des Islam mit willkürlichen Erschießungen und dem Abschlagen von Köpfen ausgeliefert.

Zuletzt hatte der IS im April ein Video veröffentlicht, das den schon mehrfach totgesagten al-Bagdadi zeigen soll. Darin rief er seine Anhänger auf, den Kampf trotz des Verlusts ihres "Kalifats" fortzusetzen. Im September rief der IS-Anführer seine Anhänger in einer Audiobotschaft zur Befreiung gefangener Kämpfer und ihrer Familien auf.

Sollten sich die Informationen über den US-Angriff bestätigen, wäre es der wichtigste Schlag gegen einen führenden Dschihadisten seit dem Einsatz vom 2. Mai 2011, bei dem Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden von US-Sondereinsatzkräften in seinem Versteck in Pakistan aufgespürt und getötet wurde.


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