25.10.2019, 21:23 Uhr

Bagdad (AFP) Mehr als 40 Tote bei erneuten regierungskritischen Protesten im Irak

Anti-Regierungsproteste im Irak. Quelle: AFP/- (Foto: AFP/-)Anti-Regierungsproteste im Irak. Quelle: AFP/- (Foto: AFP/-)

UNO wirft Sicherheitskräften Menschenrechtsverletzung vor

Erneut sind bei regierungskritischen Protesten im Irak dutzende Menschen ums Leben gekommen. Bei Demonstrationen und Brandstiftungen an Regierungsgebäuden und Parteizentralen starben am Freitag mindestens 42 Demonstranten. Viele der Opfer erstickten an Rauchgas, andere wurden erschossen. Die UNO warf der irakischen Polizei Menschenrechtsverletzungen vor.

Bereits Anfang des Monats waren bei Protesten im Irak binnen einer Woche mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. Danach waren die Proteste zum Erliegen gekommen, bevor sie am Donnerstagabend erneut aufflammten. Die Protestbewegung fordert radikale Reformen, eine neue Verfassung und ein Ende der Korruption.

Demonstranten setzten am Freitag Regierungsgebäude und die Zentralen politischer Parteien sowie bewaffneter Gruppen in Brand. Die Proteste, Brandstiftungen und Angriffe gingen in der Nacht zum Samstag in mehreren Provinzen im Süden des Landes. Dort wurden Ausgangssperren verhängt. Das Parlament kündigte für Samstag eine Sondersitzung an, in der die Forderungen der Demonstranten sowie von Regierungschefs Adel Abdel Mahdi vorgeschlagene Sozialreformen diskutiert werden sollen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres warf den irakischen Sicherheitskräften am Freitag vor, für den Tod von Demonstranten und für schwere Menschenrechtsverletzungen bei der ersten Protestwelle Anfang des Monats verantwortlich zu sein.

Im Irak lebt jeder fünfte Bürger in Armut. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt nach Angaben der Weltbank bei rund 25 Prozent. Das Land, das als zweitgrößter Ölproduzenten der Opec gilt, wird von Transparency International als zwölftkorruptester Staat der Welt eingestuft.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte wegen der Ausschreitungen und gewalttätigen Zusammenstößen vor Reisen in das Land. Seit Anfang Oktober wurden bei den Massenprotesten in dem Land mehr als 150 Menschen getötet.


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