25.10.2019, 04:00 Uhr

Barcelona (AFP) Ägyptischer Unternehmer kündigt neue Proteste gegen Staatschef al-Sisi an

Mohamed Ali. Quelle: AFP/Josep LAGO (Foto: AFP/Josep LAGO)Mohamed Ali. Quelle: AFP/Josep LAGO (Foto: AFP/Josep LAGO)

Geschäftsmann im Exil will aber "kein Blutbad"

Der im spanischen Exil lebende ägyptische Unternehmer Mohamed Ali hat weitere Proteste gegen Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi angekündigt. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP bekräftigte der 45-Jährige sein Vorhaben, gemeinsam mit der Opposition den Präsidenten stürzen zu wollen. Dafür werde es "in zwei oder drei Wochen" einen neuen Aufruf zu Demonstrationen geben. Ali hatte bereits im September mit Korruptionsvorwürfen gegen al-Sisi landesweite Proteste ausgelöst.

"Der nächste Schritt muss genau abgeschätzt werden, denn wir wollen kein Blutbad", sagte der Bauunternehmer und Schauspieler, der nach eigenen Angaben seit einem Jahr in Spanien lebt. "Wir wollen das Risiko von Zusammenstößen mit der Polizei verringern."

Im September hatte Ali eine Reihe von Internet-Videos veröffentlicht, die millionenfach angesehen wurden. In diesen warf der Unternehmer Präsident al-Sisi Korruption vor und rief zu Demonstrationen auf. Laut Ali sollen hochrangige Militärbeamte öffentliche Gelder für umstrittene Projekte wie Präsidentenpaläste ausgegeben haben.

Der 45-Jährige lieferte jedoch nie konkrete Beweise für seine Anschuldigungen. Im AFP-Interview versprach er nun, "den Westen und diejenigen, die al-Sisi Geld leihen, wissen zu lassen, wie ihr Geld ausgegeben wird".

Am 20. September waren hunderte Menschen dem Aufruf Alis gefolgt und hatten auf der Straße den Rücktritt al-Sisis gefordert. Nach der anfänglichen Überraschung über die Proteste löste die Polizei die Kundgebungen schnell auf. Etwa 4000 Menschen Demonstranten wurden festgenommen. Menschenrechtsorganisationen sprachen von der schlimmsten Welle der Unterdrückung seit al-Sisis Amtsantritt im Jahr 2014.

Ali zeigte sich erschüttert über die Vorgänge. "Menschen wurden wegen mir festgenommen", sagte er. Dies zeige der Welt, dass es unter der Regierung al-Sisis keine Freiheit gebe. Mit Blick auf künftige Demonstrationsaufrufe äußerte sich Ali "zuversichtlich", dass die Menschen erneut auf die Straße gehen. "Zuerst war es Wut, aber diesmal müssen die Proteste effektiv sein, damit wir ihn zu Fall bringen können."

Ali betonte, die Opposition "innerhalb und außerhalb Ägyptens" stünde an seiner Seite. Er bestätigte auch, in Kontakt mit der von al-Sisi als Terrororganisation eingestuften Muslimbruderschaft zu stehen. Deren Mitglieder Ali seien "respektable Menschen".

Nach dem Erfolg der Videos von Ali hatten regierungsfreundliche Medien und Prominente in Ägypten eine Kampagne gegen den Oppositionellen und die Muslimbruderschaft gestartet. Darin wurde der Geschäftsmann als Alkoholiker und Frauenheld beschrieben. Nach eigenen Angaben erhielt Ali auch Morddrohungen.

Seit dem Sturz des demokratisch gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Jahr 2013 werden Proteste und Kritik in Ägypten weitgehend unterdrückt. Tausende Islamisten, Regierungsgegner, Blogger und Aktivisten wurden in den vergangenen Jahren inhaftiert und teilweise verurteilt.


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