24.10.2019, 13:02 Uhr

Valle de los Caídos (AFP) Leichnam des früheren spanischen Diktators Franco umgebettet

Francos Mausoleum bei Madrid. Quelle: AFP/Archiv/OSCAR DEL POZO (Foto: AFP/Archiv/OSCAR DEL POZO)Francos Mausoleum bei Madrid. Quelle: AFP/Archiv/OSCAR DEL POZO (Foto: AFP/Archiv/OSCAR DEL POZO)

Sterbliche Überreste aus Mausoleum zu Friedhof nahe Madrid gebracht

Mehr als vier Jahrzehnte nach seinem Tod ist der Leichnam des früheren spanischen Diktators Francisco Franco umgebettet worden. Francos Grab in seinem imposanten Mausoleum nahe Madrid wurde am Donnerstag im Beisein seiner Familie geöffnet. Ein Hubschrauber brachte den Sarg dann zu einem Friedhof nördlich der spanischen Hauptstadt, wo der Ex-Diktator schließlich bestattet wurde. Der Umgang mit Francos sterblichen Überresten sorgt seit Jahren für Streit in Spanien.

Mehr als 20 Angehörige waren nach Angaben der Regierung in der Basilika des Mausoleums anwesend, als die mutmaßlich 1,5 Tonnen schwere Steinplatte auf Francos Grab entfernt wurde. Der marode Sarg wurde dann zunächst gesichert und anschließend hochgewuchtet.

Auf Live-Bildern des spanischen Fernsehens war zu sehen, wie acht Angehörige den mit einem Blumenkranz und einem Banner mit dem Familienwappen geschmückten Sarg des verstorbenen Diktators zu einem Bestattungswagen trugen. Unter ihnen befand sich auch sein Urenkel Louis de Bourbon, ein entfernter Cousin des spanischen Königs Felipe VI.. "Es lebe Spanien, es lebe Franco!", riefen die Angehörigen.

Ein Militärhubschrauber brachte den Sarg anschließend zum nördlich von Madrid gelegenen staatlichen Friedhof von El Pardo-Mingorrubio. Dort sollte Franco dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem Familiengrab neben seiner 1988 gestorbenen Frau Carmen Polo beerdigt werden - nach einer Messe unter Leitung des Priesters Ramón Tejero. Der Geistliche ist der Sohn des Oberleutnants Antonio Tejero, der 1981 einen fehlgeschlagenen Putsch in Spanien angeführt hatte.

Über die letzte Ruhestätte für Franco wurde in Spanien lange gestritten. Das Oberste Gericht des Landes hatte im September eine Berufung von Francos Angehörigen gegen die Exhumierung zurückgewiesen. Sein monumentales Mausoleum im Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen), das der Diktator selbst hatte bauen lassen, war seit Jahren eine Pilgerstätte für Rechtsextreme.

Franco war als Sieger aus dem Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 zwischen seinen rechten Putschisten und den Anhängern der republikanischen Regierung hervorgegangen; er regierte Spanien bis zu seinem Tod am 20. November 1975 mit harter Hand.

In einer aktuellen Umfrage befürworteten 43 Prozent der Befragten die Umbettung. Knapp ein Drittel war dagegen, der Rest unentschlossen. Im Valle de los Caídos sind die Leichen von mehr als 30.000 Opfern des spanischen Bürgerkriegs begraben, unter ihnen Kämpfer beider Seiten.

Der Umgang mit der Franco-Diktatur spaltet Spanien bis heute. Vor dem Friedhof in El Pardo-Mingorrubio versammelten sich am Donnerstag rund 200 Demonstranten, die Franco mit Sprechchören feierten. "Franco wird niemals sterben", sagte Miguel María Martínez. "Ich musste kommen, um ihm für alles zu danken, was er für uns getan hat."

Der sozialdemokratische Regierungschef Pedro Sánchez setzte sich seit seinem Amtsantritt im Juni 2018 dafür ein, den Leichnam umzubetten. Franco dürfe nicht länger "verherrlicht" werden, argumentierte Sánchez. Die Umbettung sei "ein großer Sieg der Würde, der Erinnerung, der Gerechtigkeit, der Wiedergutmachung und damit der spanischen Demokratie", sagte er am Mittwoch.


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