22.10.2019, 11:37 Uhr

Berlin (AFP) Rente ab 69 stößt auf Widerstand bei Gewerkschaften, Sozialverbänden und der SPD

Rentner auf einer Parkbank. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Ralf Hirschberger (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Ralf Hirschberger)Rentner auf einer Parkbank. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Ralf Hirschberger (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Ralf Hirschberger)

Klingbeil: Menschen sollen gesund in Rente gehen können

Der Vorschlag einer Rente ab 69 stößt bei Gewerkschaften, Sozialverbänden und der SPD auf Widerstand. "Menschen zu zwingen bis 70 zu arbeiten, um eine vernünftige Rente zu bekommen, ist kein Rentenkonzept für die Zukunft", erklärte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Dienstag in Berlin. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach verwies darauf, dass bereits derzeit viele ältere Arbeitnehmer nicht das gesetzliche Rentenalter erreichten.

Die Bundesbank hatte am Montag eine Anhebung des Rentenalters auf langfristig über 69 Jahre vorgeschlagen. Dazu sagte Klingbeil am Dienstag: "Wir wollen, dass Menschen gesund in Rente gehen. Sie haben sich diese Zeit nach jahrelanger Arbeit vor allem in der heute immer hektischeren Arbeitswelt verdient. Für "verantwortungsvolle Reformvorschläge" habe die Bundesregierung eine Rentenkommission eingesetzt.

Auch der Unions-Arbeitsexperte Peter Weiß (CDU) verwies auf die Zuständigkeit der Rentenkommission. "Ich bin sehr dafür, erst einmal abzuwarten, wie die aktuelle schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters wirkt", sagte er dem Düsseldorfer "Handelsblatt".

"Bereits die Rente mit 67 war ein Fehler", sagte Buntenbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe). Ältere Arbeitnehmer würden oft schon vor dem Rentenalter arbeitslos oder chronisch krank. Sie "retten sich nach Bezug von Arbeitslosengeld I und II oder Krankengeld nur mit Mühe in eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen".

"Viele Menschen in psychisch oder physisch anstrengenden Berufen schafften es schon heute nicht, bis 67 Jahren zu arbeiten", erklärte auch die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele. Der AWO-Vorsitzende Wolfgang Stadler betonte: "Ein weiterer Anstieg des Renteneintrittsalters geht an der Realität vieler Menschen in diesem Land vorbei und würde mehr Probleme schaffen als lösen."

"Die Anhebung des Rentenalters ist nichts anderes als eine weitere Rentenkürzung", kritisierte Linken-Chef Bernd Riexinger in der NOZ. "Denn immer weniger Menschen erreichen regulär das Rentenalter."

Die Bundesbank hatte sich dafür ausgesprochen, das Rentenalter an die zunehmende Lebenserwartung zu koppeln und nach 2030 so anzuheben, dass die Relation von Renten- zu Beitragsjahren in etwa stabil bleibt. Das Rentenalter solle dafür bis zum Jahr 2070 auf 69 Jahre und vier Monate steigen.

Zuspruch kam vom Arbeitgeberverband BDA. "Die gewonnene Lebenserwartung muss auch zu einer längeren Erwerbsphase führen und darf nicht nur einen immer längeren Ruhestand bedeuten", sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Dienstag.

Auch der CDU-Wirtschaftsrat bekundete Unterstützung für den Vorschlag der Bundesbank. Die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme seien der steigenden Lebenserwartung nur gewachsen, "wenn wir durch eine längere Lebensarbeitszeit das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern halbwegs im Lot halten", erklärte der Generalsekretär des Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer lobte den Bundesbank-Vorstoß als "wichtigen Impuls in der Debatte um Generationengerechtigkeit". Der FDP-Politiker Christian Dürr warf Union und SPD vor, die Augen vor der demographischen Entwicklung zu verschließen. "Der Bundeshaushalt wird schon in wenigen Jahren vor einem massiven Defizit stehen", sagte Dürr, der ebenfalls Fraktionsvize ist, der Nachrichtenagentur AFP.


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