20.10.2019, 09:57 Uhr

Stuttgart (AFP) Würdigung Epplers als "großer Sozialdemokrat" und "brillanter Denker"

Der SPD-Politiker Erhard Eppler. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Uli Deck (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Uli Deck)Der SPD-Politiker Erhard Eppler. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Uli Deck (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Uli Deck)

Früherer Bundesminister galt als SPD-Urgestein - Mit 92 Jahren verstorben

SPD-Urgestein, Vor- und Querdenker: Erhard Eppler ist am Samstag im Alter von 92 Jahren gestorben. Er hatte zahlreiche Ämter inne: Eppler war Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, saß viele Jahre im Bundestag und war lange für den Evangelischen Kirchentag aktiv. In den 1980er Jahren engagierte er sich stark in der Ökologie- und Friedensbewegung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihn als "großen Sozialdemokraten". Die SPD erklärte, Eppler sei ein "brillanter Denker und messerscharfer Analyst unserer Zeit" gewesen.

Der am 9. Dezember 1926 in Ulm geborene Eppler lebte mit seiner Frau Irene in Schwäbisch Hall, wo er nach Angaben der baden-württembergischen SPD am Samstag verstarb. Als Lehrer für Englisch, Deutsch und Geschichte unterrichtete er mehrere Jahre an einem Gymnasium. Zusammen mit Gustav Heinemann gründete er zunächst die Gesamtdeutsche Volkspartei, wechselte dann 1956 aber zur SPD. 1961 kam er erstmals in den Bundestag, bis 1976 war er Abgeordneter.

Eppler übernahm 1968 das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, 1974 trat er wegen Differenzen mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) kurz nach dessen Amtsantritt zurück. 1973 bis 1992 leitete er die Grundwertekommission der SPD. 1991 verabschiedete sich Eppler als SPD-Vorstandsmitglied und gab damit sein letztes politisches Amt ab. Er befasste sich aber bis ins hohe Alter mit politischen Themen.

Viele Jahre engagierte sich Eppler auch in der evangelischen Kirche. Er war 1968 bis 1984 Mitglied der EKD-Synode, war im Vorstand des Deutschen Evangelischen Kirchentags und leitete mehrmals den Evangelischen Kirchentag.

Eppler war einer der Hauptredner auf der Friedensdemonstration im Oktober 1981 in Bonn und schrieb sich selbst eine "Scharnierfunktion" zwischen der SPD und der Friedensbewegung zu, obgleich er in der Partei damals an Boden verlor. Er schrieb mehrere Bücher, etwa zur Gefahr durch radikale Terrorgruppen oder zur Kontrolle der globalen Finanzmärkte.

Mit Eppler verliere Deutschland "einen wichtigen Vordenker der Gesellschafts-, Umwelt- und Friedenspolitik", schrieb Steinmeier in einem Kondolenzschreiben an die Witwe des Verstorbenen. Eppler habe die Fähigkeit ausgezeichnet, "politische Zusammenhänge zu erklären und über den Tag hinaus zu denken". "Zeit seines Lebens stand Erhard Eppler für den Frieden und für Entspannung zwischen den beiden deutschen Staaten im Kalten Krieg", fügte der Bundespräsident hinzu.

Die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer erklärte, Eppler sei für die SPD "immer eine wichtige Stimme" gewesen und habe die Partei tief geprägt. "Für die Friedensbewegung der 1980er Jahre war Erhard Eppler eine Ikone", so Dreyer.

"Er war immer auf der Höhe der Zeit, wie es Willy Brandt von uns Sozialdemokraten so eindringlich eingefordert hat", erklärte der baden-württembergische SPD-Vorsitzende Andreas Stoch. "Dabei hat er es anderen nicht immer leicht gemacht. Sich selbst aber auch nicht."

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erklärte: "Erhard Eppler war und bleibt ein großer Vordenker und Gestalter deutscher Entwicklungspolitik." Er sei "als mutiger Kämpfer und brillanter Denker" seiner Zeit voraus gewesen, betonte Müller mit Blick auf Epplers Vorschläge eines gerechten Interessenausgleiches zwischen Nord und Süd sowie arm und reich.


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