18.10.2019, 16:21 Uhr

Dschalalabad (AFP) Mehr als 60 Tote nach Anschlag auf Moschee in Ostafghanistan

Ein Helfer trägt einen verletzten Jungen ins Krankenhaus . Quelle: AFP/NOORULLAH SHIRZADA (Foto: AFP/NOORULLAH SHIRZADA)Ein Helfer trägt einen verletzten Jungen ins Krankenhaus . Quelle: AFP/NOORULLAH SHIRZADA (Foto: AFP/NOORULLAH SHIRZADA)

Taliban verurteilen Angriff während des Freitagsgebets

Bei einem verheerenden Sprengstoffanschlag auf eine Moschee im Osten Afghanistans sind mindestens 62 Gläubige getötet und knapp drei Dutzend weitere verletzt worden. Nach Angaben eines Sprechers des Provinzgouverneurs von Nangarhar waren die Sprengsätze in der Moschee des Dorfs Dschau Dara deponiert und detonierten mitten während des Freitaggebets. Die radikalislamischen Taliban distanzierten sich von der Tat.

Zum Zeitpunkt des Anschlags hätten sich etwa 350 Menschen in der Moschee aufgehalten, sagte der Dorfbewohner Omar Ghorsang der Nachrichtenagentur AFP. Die Wucht der Detonation brachte nach Angaben eines weiteren Bewohners das Dach des Gotteshauses zum Einsturz. Die meisten Opfer wurden in das Bezirkskrankenhaus nach Haska Mina gebracht.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand, doch wiesen die Taliban jede Verantwortung von sich. Ein Sprecher der radikalislamischen Miliz sprach von einem "schweren Verbrechen". Er machte Regierungskräfte oder die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich. In der an der Grenze zu Pakistan liegenden Provinz Nangarhar sind sowohl die Taliban als auch die mit ihnen rivalisierende IS-Miliz aktiv.

Anschläge auf Moscheen oder religiös motivierte Angriffe sind im mehrheitlich sunnitischen Afghanistan selten - und zumeist richten sie sich gegen Schiiten. Zuletzt hatte der IS im August einen Anschlag auf eine schiitische Hochzeit in Kabul für sich reklamiert, bei dem 63 Menschen getötet worden waren.

In Afghanistan hat die Gewalt gegen Zivilisten in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Die Vereinten Nationen sprachen erst am Donnerstag von einem "noch nie dagewesenen Ausmaß" der Gewalt in diesem Sommer.

Demnach wurden von Juli bis Ende September 1174 Zivilisten getötet und 3139 weitere verletzt. Dies entspreche einem Anstieg um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die UNO machte vor allem "regierungsfeindliche Elemente" wie etwa die Taliban für die Zunahme der Gewalt verantwortlich.


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