16.10.2019, 10:45 Uhr

Berlin (AFP) DAK fordert Deckelung der Eigenanteile für Pflegeheimbewohner

Pfleger schieben Senioren mit Rollstühlen über einen Flur. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Daniel Bockwoldt (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Daniel Bockwoldt)Pfleger schieben Senioren mit Rollstühlen über einen Flur. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Daniel Bockwoldt (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Daniel Bockwoldt)

Pflegereport: Ohne Reformen Verdreifachung des Eigenanteils bis 2045

25 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung hat die Krankenkasse DAK-Gesundheit eine grundlegende Reform zu Entlastung der Pflegebedürftigen gefordert. Die Kasse legte am Mittwoch ein Finanzkonzept vor, mit dem die Eigenanteile der Versicherten gedeckelt werden sollen. Dies soll unter anderem durch steigende Steuerzuschüsse erreicht werden.

Die steigenden Eigenanteile von Pflegebedürftigen sorgen bei Parteien und Sozialverbänden seit längerem für Diskussionen. Nach dem aktuellen DAK-Pflegereport liegt der Eigenanteil für die Versorgung im Pflegeheim derzeit im Schnitt bei monatlich 693 Euro. Ohne Reformen würde sich der Eigenanteil bis 2045 auf knapp 1900 verdreifachen, warnten die Experten. Immer mehr Menschen würden in die "Fürsorgefalle" geraten.

Allerdings sind die regionalen Unterschiede teilweise gravierend. Lag der Eigenanteil in Thüringen im ersten Quartal 2019 bei 274 Euro, waren es in Baden-Württemberg 925 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten - damit müssen Pflegebedürftige im Schnitt derzeit 1874 Euro berappen.

Das Finanzierungsmodell der DAK schlägt zunächst unterschiedlich gedeckelte Eigenanteile je Bundesland vor - im bundesweiten Durchschnitt soll der Sockelbetrag bei 450 Euro monatlich liegen. Die Eigenanteile sollen dann entsprechend der Lohnentwicklung steigen und schrittweise bis 2045 einen einheitlichen Wert erreichen.

Im Jahr 2021 könnte mit der schrittweisen Einführung eines Steuerzuschusses in Höhe von zunächst einer Milliarde Euro begonnen werden. Bis zum Jahr 2025 soll der Zuschuss schrittweise auf fünf Milliarden Euro steigen, was dann zehn Prozent der Jahresausgaben in der Pflegeversicherung entspräche. Nach weiteren Erhöhungen sollen die Zuschüsse im Jahr 2045 bis zu 25 Prozent der Leistungsausgaben abgedeckt werden.

"Aktuell verfehlt die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, die Menschen im Pflegefall vor einem Armutsrisiko zu bewahren und die Kosten der Pflege fair zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen zu verteilen", erklärte DAK-Chef Andreas Storm. Künftig sei daher eine grundlegende Reform mit einer Mischfinanzierung aus Beitragseinnahmen und Steuerzuschüssen nötig.

Laut DAK-Umfrage befürchten fast 80 Prozent der Versicherten, dass sie trotz Pflegeversicherung im Heim sämtliche Ersparnisse verlieren würden. Vier von zehn Befragten sehen eine sehr starke Belastung durch Pflegekosten. Dreiviertel von ihnen befürworten Modelle, bei denen Eigenteile für die Pflege im Heim begrenzt werden. Auch die SPD-Bundestagsfraktion hatte sich dafür ausgesprochen, die Eigenanteile der Pflegebedürftigen künftig zu deckeln.


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