09.10.2019, 11:21 Uhr

Ras al-Ain (AFP) Syrische Kurden verkünden Generalmobilmachung gegen Offensive der Türkei

Türkische Soldaten in der Grenzstadt Akcakale . Quelle: AFP/BULENT KILIC (Foto: AFP/BULENT KILIC)Türkische Soldaten in der Grenzstadt Akcakale . Quelle: AFP/BULENT KILIC (Foto: AFP/BULENT KILIC)

Russland warnt vor Flächenbrand in der Region

Wegen der befürchteten Offensive der Türkei in Nordsyrien hat die kurdische Autonomieverwaltung die Zivilbevölkerung zur Generalmobilmachung aufgerufen. Alle Zivilisten sollten sich "an die Grenze zur Türkei begeben, um in diesem heiklen historischen Moment Widerstand zu leisten", erklärte die Autonomieverwaltung am Mittwoch. Das türkische Verteidigungsministerium erklärte, die Vorbereitungen für dem Einmarsch seien in vollem Gange.

Die kurdische Autonomieverwaltung rief die im Ausland lebenden Kurden dazu auf, gegen die Pläne der Türkei auf die Straße zu gehen. Sie kündigte zudem an, die USA und die gesamte internationale Gemeinschaft für eine mögliche "humanitäre Katastrophe" verantwortlich zu machen. Die USA hatten zu Wochenbeginn Soldaten aus Stellungen in Nordsyrien abgezogen und damit das Feld für eine türkische Militäroffensive bereitet.

Ankara erklärte am Dienstag, die Offensive werde "in Kürze" beginnen, die Türkei verlegte weitere Militärfahrzeuge an die Grenze. Ein AFP-Reporter beobachtete einen Konvoi mit Dutzenden gepanzerten Fahrzeugen nahe der Stadt Akçakale in der Provinz Sanliurfa. Der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun schrieb in einem Beitrag für die "Washington Post", die Kurden hätten jetzt noch Gelegenheit, "überzulaufen". Andernfalls habe die Türkei "keine andere Wahl, als sie von der Störung unserer Anti-IS-Maßnahmen abzuhalten".

Medienberichte, wonach der Militäreinsatz bereits begonnen habe, wies der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Mittwoch zurück. Die Truppenverlegung und "Vorbereitungen" auf die Offensive "sind noch in vollem Gange", sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die US-Spezialkräfte aus dem syrisch-türkischen Grenzgebiet abzuziehen, hatte in Washington massive Kritik ausgelöst. Auch in den Reihen seiner eigenen Partei brachte die Entscheidung Trump den Vorwurf ein, die Kurden im Stich zu lassen. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) gehörten lange zu den wichtigsten US-Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Der US-Präsident versicherte daraufhin, die USA würden ihre kurdischen Verbündeten nicht fallen lassen. Ankara drohte er mit der "totalen Zerstörung und Auslöschung" der türkischen Wirtschaft, sollte die Türkei in Nordsyrien "irgendetwas tun", was er als "tabu" betrachte.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte die "Widersprüche" in der Syrien-Politik der USA am Mittwoch scharf und warnte vor einem drohenden Flächenbrand in der Region. Die Kurden seien "extrem beunruhigt" und fürchteten, dass der US-Truppenabzug "die ganze Region in Brand setzen" könne, sagte Lawrow: "Dies muss um jeden Preis verhindert werden." Den USA warf Lawrow vor, "ihre Versprechen viele Male gebrochen" zu haben.

Der Nordosten Syriens wird seit Jahren von der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) und der YPG-Miliz als ihrem militärischen Arm kontrolliert. Die Türkei betrachtet die Präsenz der Kurdenmiliz an ihrer Grenze als Bedrohung, da sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist. Seit 2016 ging Ankara bereits zwei Mal gegen die YPG vor.


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