08.10.2019, 13:13 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Verdächtiger von Limburg ohne Verbindungen in gewaltbereite islamistische Szene

Lastwagen nach dem Vorfall in Limburg. Quelle: AFP/Yann Schreiber (Foto: AFP/Yann Schreiber)Lastwagen nach dem Vorfall in Limburg. Quelle: AFP/Yann Schreiber (Foto: AFP/Yann Schreiber)

Ermittlungen gegen 32-jährigen Syrer wegen versuchten Tötungsdelikts

Nach dem Vorfall mit einem Lastwagen im hessischen Limburg haben die Behörden keine Hinweise auf Verbindungen des Tatverdächtigen in die gewaltbereite islamistische Szene. Dies gelte zumindest "nach den derzeitigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden", erklärte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Landeskriminalamt teilten indes mit, dass wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt wird.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich den Ermittlerangaben zufolge um einen 32-jähriger Syrer aus dem Landkreis Offenbach. Der Mann sollte noch am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Hintergründe des Vorfalls seien weiterhin unklar. Insbesondere gebe es keine Erkenntnisse zum Motiv des Manns.

Die Ermittler werfen dem 32-Jährigen vor, am Montag in Limburg einen Lastwagen gestohlen zu haben, indem er dessen Fahrer gewaltsam aus der Kabine zog, ohne jedoch eine Waffe zu benutzen. Er soll wenige Meter mit dem Laster gefahren sein, bis er an einer Kreuzung ungebremst auf mehrere vor ihm stehende Fahrzeuge aufgefahren sei. Sieben Autos und ein Kleintransporter wurden dadurch zusammengeschoben.

Acht Insassen und der mutmaßliche Täter wurden leicht verletzt. Mehrere Beamte der Bundespolizei hielten sich den Ermittlern zufolge zufällig in der Nähe des Tatorts auf. Sie nahmen den Verdächtigen fest. Bei zwei Razzien im Landkreis Offenbach und im Landkreis Limburg-Weilburg, die im Zusammenhang zum Vorfall in Limburg standen, sei Beweismaterial wie Mobiltelefone oder USB-Sticks beschlagnahmt worden.

Laut einem Bericht von "Focus Online" lebte der 32-Jährige seit rund einem Jahr in einem Hotel in Langen im Landkreis Offenbach. Die Miete sei von den Behörden bezahlt worden. Der Aufenthaltstitel des 32-Jährigen sei seit einigen Tagen ungültig gewesen. Der Hessische Rundfunk (HR) berichtete, dass in der durchsuchten Wohnung im Landkreis Limburg-Weilburg ein Verwandter des mutmaßlichen Täters lebe. Mit ihm soll der 32-Jährige zuvor in einer Kneipe Alkohol getrunken haben.

Am Morgen hatte das ZDF unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, dass der Vorfall von den Behörden als Terroranschlag eingestuft werde. Die Staatsanwaltschaft bestätigte diese Angaben jedoch nicht. Der HR berichtete, dass vielmehr alles gegen einen Terroranschlag spreche. Die Tat könnte demnach eine "nicht politisch motivierte Amokfahrt aus psychischen Motiven" gewesen sein.

Beuth verurteilte die Tat und mahnte zugleich: "Auch wenn der Tathergang an die schrecklichen Anschläge von Nizza oder Berlin erinnert, ist das Motiv des festgenommenen Manns nach wie vor unklar." Die Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung befänden sich "in Hessen auf einem hohen Niveau", versicherte er und dankte "den Einsatzkräften und couragierten Bürgern, die vor Ort die Verletzten versorgt und erste Hilfe geleistet haben".

Der Lastwagen gehörte zu einem Logistikunternehmen aus Baden-Württemberg. Dieses teilte mit, dass der Fahrer auf Auslieferungstour in Limburg gewesen sei, als er an einer Ampel aus dem Fahrzeug gezogen wurde. Dem Mann gehe es "den Umständen entsprechend". "Unsere Gedanken gelten ihm sowie den Geschädigten - wir versuchen, uns in Zusammenarbeit mit der Polizei ein genaues Bild vom Tathergang zu machen", erklärte das Unternehmen.


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