06.10.2019, 09:54 Uhr

Paris (AFP) Ermittler: Messerangriff in Paris war Tat eines radikalen Islamisten

Staatsanwalt Ricard mit neuen Erkenntnissen zum Angreifer
. Quelle: AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT (Foto: AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT)Staatsanwalt Ricard mit neuen Erkenntnissen zum Angreifer . Quelle: AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT (Foto: AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT)

Premierminister Philippe kündigt Überprüfung der Sicherheitsdienste an

Die tödliche Messerattacke im Pariser Polizeipräsidium war die Tat eines radikalen Islamisten: Nach Angaben von Antiterror-Staatsanwalt Jean-François Ricard vom Samstag vertrat der 45-Jährige eine radikale Sichtweise des Islam und hatte Kontakt zu Anhängern der salafistischen Bewegung. Dennoch geriet der langjährige Mitarbeiter des Polizeipräsidiums nie in das Visier der Antiterrorfahnder. Regierungschef Edouard Philippe kündigte eine Überprüfung der Sicherheitsdienste an.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge war Mickaël Harpon vor rund zehn Jahren zum Islam übergetreten. Seit einiger Zeit vertrat er Staatsanwalt Ricard zufolge zunehmend radikalere Auffassungen. Unter anderem verteidigte er den von Islamisten verübten Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Jahr 2015, wollte seine Kontakte zu Frauen einschränken und besuchte die Moschee nur noch in traditioneller muslimischer Kleidung.

Vor seinem Angriff tauschte Harpon mit seiner Frau 33 SMS aus, die ausschließlich religiöse Inhalte hatten, wie Ricard berichtete. Bei seiner Tat sei er dann mit großer Brutalität vorgegangen.

Binnen sieben Minuten erstach Harpon demnach mit einem Küchen- und einem Austernmesser, die er zuvor gekauft hatte, vier Kollegen und verletzte zwei weitere, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde.

Der Täter war seit 2003 im Polizeipräsidium angestellt, zuletzt arbeitete er für den IT-Bereich der nachrichtendienstlichen Abteilung der Pariser Polizei (DRPP), die unter anderem für den Kampf gegen Extremisten zuständig ist.

Die Polizei war zunächst von der Tat eines psychisch labilen Mannes ausgegangen. Innenminister Christophe Castaner hatte am Donnerstag am Tatort gesagt, der Mann habe "nie Verhaltensauffälligkeiten gezeigt" und seinen Angriff auch nicht angekündigt. Da er schwerhörig war, galt er als behindert, zudem soll er laut Medienberichten vor der Tat "Stimmen" gehört haben.

Premierminister Philippe kündigte nun zwei Aufklärungsschritte an: Diese beträfen neben der nachrichtendienstlichen Abteilung der Pariser Polizei auch alle Geheimdienste, die sich mit Extremismus befassen, sagte Philippe der Zeitung "Journal du Dimanche".

Die Untersuchung zur Pariser Polizei soll demnach bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Sie soll offenlegen, ob die internen Mechanismen für den Fall einer Radikalisierung von Mitarbeitern umgesetzt wurden.

Die zweite Mission zu allen Geheimdiensten ziele darauf ab, die internen Prozesse zur Aufdeckung radikaler Mitarbeiter zu überprüfen. Ergebnisse hierzu würden bis Ende des Jahres vorliegen.

Vier Jahre nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Todesopfern sorgte der Messerangriff vom 3. Oktober erneut für große Sorge in Frankreich. Der Elyséepalast kündigte für Dienstagvormittag eine Gedenkfeier für die Opfer des Angriffs im Polizeipräsidium an, an der auch Präsident Emmanuel Macron teilnehmen.

Abgeordnete der rechten und rechtsextremen Opposition forderten unterdessen einen Untersuchungsausschuss zu den Hintergründen. Der Chef der konservativen Les Républicains (LR), Christian Jacob, sprach von einer "schwerwiegenden Affäre". Sie betreffe die "Sicherheit und die Wirkkraft unserer Sicherheitsdienste".

Die Vorsitzende der rechtspopulistischen Nationalen Sammlungsbewegung, Marine Le Pen, verlangte eine "vollständige Überprüfung der islamistischen Radikalisierung" unter Staatsbediensteten. Einige LR-Abgeordnete verlangten zudem den Rücktritt von Innenminister Castaner. Dieser habe sich für sein Amt "diskreditiert", sagte der LR-Vertreter Eric Ciotti.


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