04.10.2019, 17:44 Uhr

Paris (AFP) Anti-Terror-Staatsanwalt übernimmt Ermittlungen zu Messerangriff in Paris

Soldaten riegeln die Pariser Polizeipräfektur ab. Quelle: AFP/Bertrand GUAY (Foto: AFP/Bertrand GUAY)Soldaten riegeln die Pariser Polizeipräfektur ab. Quelle: AFP/Bertrand GUAY (Foto: AFP/Bertrand GUAY)

Angreifer war vor 18 Monaten zum Islam übergetreten

Nach dem tödlichen Messerangriff im Pariser Polizeipräsidium hat die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Freitag die Ermittlungen übernommen. Nach Angaben aus Justizkreisen wird nun wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einer kriminellen, terroristischen Vereinigung ermittelt. Der 45-jährige langjährige Mitarbeiter des Polizeipräsidiums hatte am Donnerstag vier Kollegen erstochen und zwei weitere verletzt, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde.

Bislang hatte die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt. Mit der Übernahme der Ermittlungen durch die nationale Anti-Terror-Staatsanwaltschaft wird die Hypothese einer Radikalisierung des Täters gestärkt. Der Informatiker, der in der Verwaltung des Polizeipräsidiums arbeitete, war vor 18 Monaten zum Islam übergetreten. Übereinstimmenden Angaben zufolge sollen Bekannte von ihm der salafistischen Bewegung angehören.

Der 45-jährige Informatiker hatte seit 2003 im Polizeipräsidium gearbeitet. Er war schwerhörig und galt als behindert. Innenminister Christophe Castaner hatte noch am Donnerstag gesagt, der Mann habe "nie Verhaltensauffälligkeiten gezeigt" und seinen Angriff auch nicht angekündigt.

Seine Frau sagte allerdings nach Angaben von Ermittlern vom Freitag aus, er habe vor der Tat ein "ungewöhnliches und unruhiges Verhalten" an den Tag gelegt. Der Rundfunksender France Info berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Täter habe nach Angaben seiner Frau vor der Attacke "Visionen gehabt" und "Stimmen gehört".

Eine Nachbarin in dem Ort Gonesse nordöstlich von Paris beschrieb den Vater von zwei drei und neun Jahre alten Kindern als "sehr ruhig". Er sei regelmäßig zur Moschee gegangen, habe aber keine Anzeichen von Fanatismus gezeigt. Ein Bekannter, der gemeinsam mit dem 45-Jährigen die Moschee von Gonesse besuchte, berichtete, H. habe sich bei ihm darüber beklagt, dass er aufgrund seiner Behinderung beruflich nicht mehr weiterkomme.

Die Durchsuchung der Wohnung des Täters brachte nach Angaben der Ermittler keine Hinweise auf eine Radikalisierung. Weitere Erkenntnisse sollte die Auswertung seines Computers bringen; diese dauerte am Abend an. Auch seine Frau blieb weiter in Gewahrsam.


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