03.10.2019, 01:15 Uhr

New York (AFP) US-Justiz: Honduras' Präsident erhielt Millionenbeträge von Drogenbossen

Juan Orlando Hernández. Quelle: AFP/Archiv/TIMOTHY A. CLARY (Foto: AFP/Archiv/TIMOTHY A. CLARY)Juan Orlando Hernández. Quelle: AFP/Archiv/TIMOTHY A. CLARY (Foto: AFP/Archiv/TIMOTHY A. CLARY)

Prozess gegen Bruder von Staatschef Hernández in New York begonnen

Honduras' Präsident Juan Orlando Hernández soll Bestechungsgelder in Millionenhöhe von Drogenhändlern wie dem Mexikaner Joaquín "El Chapo" Guzmán erhalten haben. Das sagte US-Staatsanwalt Jason Richman am Mittwoch beim Beginn eines Drogenprozesses gegen Hernández' Bruder Juan Antonio in New York. Der Staatschef des zentralamerikanischen Landes wies die Vorwürfe umgehend als "lächerlich" zurück.

"Der Angeklagte wurde vom derzeitigen Präsidenten geschützt, der Millionen Dollar an Bestechungsgeldern von Drogenhändlern wie 'El Chapo' Guzmán erhalten hat", sagte Staatsanwalt Richman in seinem Eröffnungsplädoyer. Der inzwischen in einem US-Gefängnis sitzende Guzmán habe Juan Antonio einst "persönlich" eine Million Dollar für dessen Bruder übergeben.

"Der Vorwurf ist zu 100 Prozent falsch, absurd und lächerlich", schrieb der honduranische Präsident daraufhin im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Das ist unseriöser als Alice im Wunderland."

Die Staatsanwaltschaft von Manhattan hatte bereits in einem im August veröffentlichten Dokument erklärt, Hernández habe für seinen ersten Wahlkampf 2013 von einem honduranischen Drogenhändler mindestens 1,5 Millionen Dollar erhalten. Vor seiner Wiederwahl 2017 habe er dann nochmal 40.000 Dollar bekommen. Formelle Ermittlungen gegen Hernández wurden in den USA aber nicht eingeleitet.

Der Präsident nutzte vergangene Woche seinen Auftritt bei der UN-Generaldebatte, um die Anschuldigungen zurückzuweisen. Er sprach von einer Verleumdungskampagne von "Drogenhändlern, Gangs, Korrupten, Mördern und sogar Politikern".

Die US-Justiz wirft auch Hernández' Vorgänger Porfirio Lobo vor, Drogengelder erhalten zu haben. Auch Lobo, der von 2010 bis 2014 Präsident war, weißt die Vorwürfe zurück.

In New York begann am Mittwoch der Prozess gegen den Präsidentenbruder Juan Antonio "Tony" Hernández. Der frühere Abgeordnete war im November 2018 am Flughafen von Miami festgenommen worden. Der 41-Jährige soll laut Anklage in großem Stil Kokain in die USA geschmuggelt haben. Außerdem soll er in mindestens zwei Morde im Bandenmilieu verwickelt gewesen sein. Bei einer Verurteilung droht ihm eine langjährige Haftstrafe.


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