27.09.2019, 12:57 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Commerzbank will mit Filialschließungen und Stellenabbau profitabler werden

Commerzbank-Filiale in Frankfurt am Main. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Marius Becker (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Marius Becker)Commerzbank-Filiale in Frankfurt am Main. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Marius Becker (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Marius Becker)

Kunden könnten zudem höhere Gebühren bevorstehen

Die Commerzbank will sich mit einer neuen Strategie langfristig profitabler aufstellen und dünnt dafür wie angekündigt ihr Filialnetz aus und streicht tausende Stellen. Zudem sollen die Leistungen des Finanzinstituts künftig "differenzierter" bepreist werden, was für Kunden zu höheren Gebühren führen könnte. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sprach sich entschieden gegen einen Personalabbau im Vertrieb der Commerzbank aus.

Nachdem der Vorstand der zweitgrößten deutschen Bank bereits am vergangenen Freitag die Umbaupläne vorgelegt hatte, stimmte nach zweitägigen Beratungen am Mittwoch und Donnerstag auch der Aufsichtsrat den "Commerzbank 5.0" getauften Plänen zu. Diese sollten dem "schwierigen Umfeld entgegenwirken und unsere Bank zukunftssicher machen", sagte Vorstandschef Martin Zielke am Freitag in Frankfurt am Main.

In diesem Zusammenhang nannte er unter anderem das Zinsumfeld. Die Europäische Zentralbank hatte Mitte September den Einlagezins für Banken verschärft, um die Wirtschaft zu stützen. Damit ist es für die Finanzinstitute nun noch teurer, Geld bei der EZB einzulagern. Zugleich ließ dies die Sorge wachsen, Banken könnten die höheren Strafzinsen an die Sparer weiterreichen.

Im Rahmen des Strategieprogramms will die Bank, die im April ihre Fusionspläne mit der Deutschen Bank aufgegeben hatte, insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro in die Digitalisierung investieren und eine deutliche Senkung ihrer Kosten erreichen. In diesen Investitionen enthalten sind auch "Restrukturierungskosten" in Höhe von 850 Millionen Euro, die für den geplanten Stellenabbau und die Filialschließungen anfallen.

Vorgesehen ist der Abbau von 4300 Vollzeitstellen. Zugleich sollen rund 2000 Stellen unter anderem im Vertrieb aufgebaut werden. Unter dem Strich fallen also 2300 Jobs weg. Die Stellenstreichungen seien "ein leider unvermeidlicher Bestandteil" der angestrebten Kostensenkung, sagte Finanzvorstand Stephan Engels.

Das Filialnetz soll von derzeit rund 1000 auf bundesweit 800 Filialen schrumpfen. Damit bleibe die Commerzbank auch weiterhin "flächendeckend" in Deutschland präsent, erklärte das Unternehmen. Mit der Schließung von rund 200 Filialen stelle sich die Bank auch auf die sich verändernden Kundenbedürfnisse ein, da Kunden künftig noch intensiver digitale Kanäle nutzen würden.

Insgesamt soll die Kostenbasis bis zum Jahr 2023 im Vergleich zu heute um 600 Millionen Euro sinken. Finanzieren will die Bank den Umbau auch durch den Verkauf der polnische Tochter M-Bank. Außerdem soll die Direktbanktochter Comdirect, an der die Commerzbank bislang 82 Prozent hält, komplett in die Commerzbank integriert werden, um die digitalen Kompetenzen zu bündeln.

Zusätzliche Potenziale erwartet die Bank durch die verstärkte Nutzung von Daten, die "individuell zugeschnittene Produkte" ermöglichen sollen. Außerdem will die Commerzbank ihre Leistungen künftig "differenzierter bepreisen". Dies sei aber "nicht die Einstimmung auf den Abschied vom kostenlosen Girokonto", betonte Zielke.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte, es dürfe keinen Personalabbau im Vertrieb der Commerzbank geben. "Es gibt keinerlei Einsparpotenzial in den Filialen", erklärte der bei Verdi für das Finanzinstitut zuständige Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann. Deshalb müsse das Personal so auf die verbleibenden Filialen verteilt werden, "dass personelle Engpässe, ständige Vertretungen und kurzfristige Filialschließzeiten künftig deutlich seltener vorkommen", forderte Wittmann.

Dadurch werde auch die Belastung für die Beschäftigten "deutlich sinken", fügte der Gewerkschaftssekretär hinzu. Einen etwaigen weiteren Personalabbau in anderen Bereichen werde Verdi "kritisch begleiten". Oberste Priorität hätten in einem solchen Fall "sozialverträgliche Lösungen", die auch die Commerzbank anstrebt. Den M-Bank-Verkauf und die Comdirect-Verschmelzung unterstützt Verdi.


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