25.09.2019, 09:51 Uhr

Berlin (AFP) Landwirtschaftsministerin Klöckner fordert großflächiges Aufforstungsprogramm

Vertrockneter Baum in einem Wald. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Patrick Pleul (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Patrick Pleul)Vertrockneter Baum in einem Wald. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Patrick Pleul (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Patrick Pleul)

Diskussionen vor nationalem Waldgipfel - Inzwischen 180.000 Hektar geschädigt

Bundesforstministerin Julia Klöckner (CDU) ist mit der Forderung nach einem großen Wiederaufforstungsprogramm in den von ihr organisierten nationalen Waldgipfel am Mittwoch in Berlin gegangen. "Jeder Baum, der fehlt, fehlt uns als Mitkämpfer gegen den Klimawandel", sagte sie im Südwestrundfunk. Auf dem Gipfel sollen Vertreter von über 170 Organisationen und Institutionen über ein von Klöckner vorab erarbeitetes Eckpunktepapier diskutieren.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD)) forderte eine zielgerichtete Investition öffentlicher Hilfsgelder in ökologischen Waldumbau. "Ich will nicht, dass wir die Millionen mit der Gießkanne verteilen", sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Formulierungen im Bundeswaldgesetz müssten konkretisiert werden, um eindeutigere Vorgaben für nachhaltige Forstentwicklung zu machen.

In Deutschland kommt es seit vorigem Jahr zum Absterben von Bäumen in einem Ausmaß, das es nach Angaben von Regierungen und Verbänden so noch nicht gab. Wie Medien unter Berufung auf das Eckpunktepapier von Klöckner berichteten, beläuft sich die geschädigte Fläche auf inzwischen rund 180.000 Hektar. Als maßgebliche Ursachen gelten die seit zwei Jahren anhaltende Dürre und dadurch ausgelöste Folgeprobleme. So fallen geschwächte Bäume Schädlingen zum Opfer.

Wegen der allgemein als dramatisch beschriebenen Entwicklung lud Klöckner zu dem Waldgipfel ein, an dem sich ihrem Ministerium zufolge mehr als 170 Interessengruppen und Institutionen beteiligen. Dort soll über kurzfristige Hilfen zur Wiederaufforstung und langfristige Strategien zur Klimaanpassung beraten werden.

Im Raum stehen unter anderem Forderungen nach staatlichen Hilfen im Umfang von einer Milliarde Euro und mehr, die seit längerem von verschiedener Seite erhoben werden. Die Gewerkschaft IG Bau, in der auch Forstarbeiter organisiert sind, sprach sich am Mittwoch für die Einstellung von 11.000 zusätzlichen Forstfachleuten aus. Ohne eine massive Personalaufstockung sei die Aufforstung nicht zu leisten.

Vor Klöckners Gipfel hatte es bereits Kritik an dem Format gegeben. So bemängelte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), dass die Ministerin dort lediglich ihre eigenen Eckpunkte zur Diskussion stelle und keinen inhaltlichen Austausch mit anderen wichtigen Akteuren wie den Ländern suche. Umweltverbände forderten vorab eine "ökologische Wende" der deutschen Waldpolitik.

Der Deutsche Landkreistag bemängelte am Mittwoch fehlende konkrete Finanzierungszusagen. Er halte wegen der "aktuellen Krisensituation" staatliche Hilfen in Höhe von etwa 800 Millionen Euro für nötig, teilte der kommunale Spitzenverband in Berlin mit. Mit dem Geld könne etwa das von Borkenkäfern befallene Totholz schnell geräumt werden. Kommunen gehören in Deutschland zu den großen Waldbesitzern.


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