25.09.2019, 08:46 Uhr

New York (AFP) Merkel widerspricht Thunberg

Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel. Quelle: AFP/Johannes EISELE (Foto: AFP/Johannes EISELE)Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel. Quelle: AFP/Johannes EISELE (Foto: AFP/Johannes EISELE)

Kanzlerin: Klima-Aktivistin misst Technologie nicht genügend Bedeutung bei

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der harten Kritik der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg an den politischen Verantwortungsträgern teilweise widersprochen. In ihrer Rede beim UN-Klimagipfel habe die 16-Jährige ihrer Ansicht nach "nicht ausreichend zum Ausdruck gebracht", welche Chancen moderne Technologie sowie Innovationen für den Klimaschutz eröffneten, sagte Merkel in New York im Gespräch mit Journalisten. Von den Grünen wurde Merkel am Mittwoch dafür scharf kritisiert.

Die Rolle von Technologie und Innovation vor allem im Energiesektor und beim Energiesparen sei ein Punkt, in dem sie Thunberg widerspreche, sagte die Kanzlerin. Das am Freitag beschlossene Klimaschutzpaket der Bundesregierung setze auf diese Möglichkeiten. Merkel hatte sich am Montag am Rande des Gipfels mit Thunberg zu einem Gespräch getroffen. Zu dessen Inhalt wollte die Kanzlerin aber nichts sagen.

In ihrer Rede beim Klimagipfel hatte Thunberg den versammelten Staats- und Regierungschefs wütend "Verrat" an ihrer Generation vorgeworfen. "Sie lassen uns im Stich", rief sie aus. Thunberg warf der internationalen Politik vor, die drohende Klimakatastrophe nach wie vor zu verharmlosen und an die "Märchen von ewigem Wachstum" zu glauben.

Auf die Frage, ob sie sich von der Kritik Thunbergs direkt angesprochen gefühlt habe, entgegnete Merkel nun: "Jeder aufmerksame Mensch hört zu und fühlt sich damit auch angesprochen." Zu ihrer eigenen Rede bei dem Gipfel sagte die Kanzlerin, sie habe darin "mit Überzeugung" dargelegt, wie ihre Regierung ihrer internationalen und nationalen Verantwortung für den Klimaschutz gerecht werden wolle.

Merkel hatte in der Rede das am Freitag beschlossene Klimaschutzpaket ihrer Regierung als Beginn eines "tiefgreifenden Wandels" in Deutschland beschrieben. Die deutsche Sektion der von Thunberg gegründeten Bewegung Fridays von Future bezeichnete das Maßnahmenpaket allerdings als "desaströs", da es nicht für "echten Klimaschutz" sorge.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum zeigte sich empört über Merkels Äußerungen zu Thunberg. Das Klimapaket sei "eine komplette Absage an die erneuerbaren Technologien und bricht mit irrsinnigen Abstandsregelungen für Windräder der Energiewende faktisch das Genick", sagte Badum der Nachrichtenagentur AFP.

"Es ist mehr als dreist, dann einer jungen Aktivistin vorzuwerfen, sie würde Innovationspotenzial unterschätzen, wenn die GroKo selbst alle technologischen Chancen einer ökologischen Transformation im Keim erstickt."

Das sei auch ein Schlag ins Gesicht der Wissenschaftler, die das Klimakabinett beraten haben "und genauso enttäuscht sind wie wir, dass diese historische Chance mutwillig verspielt wurde", fügte Badum hinzu. "Das Schlimmste ist, dass dieser klimapolitische Totalausfall im globalen Vergleich auch noch als ambitioniert bezeichnet wird."


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